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Im April 1938 in Pirna
geboren, war ich zu Kriegsende 7 Jahre alt. Mein Vater, geb.1901, Volksschullehrer,
wurde 1939 zum Kriegsdienst eingezogen. Und so habe ich ihn nur aus seinen
kurzen Heimaturlauben in Erinnerung. Seine Urlaube waren, besonders von
der damals 31-jährigen Mutter, lang ersehnte, für uns Kinder
geradezu sensationelle Ereignisse. Um meine vorschulische Bildung kümmerte
sich meine Mutter als gelernte Kindergärtnerin nach damals für
richtig gehaltenen Maßstäben. Meine drei Jahre ältere
Schwester Eva gab mir, wie auch den meisten die ihr begegneten, wohlwollend
ihre gerade gewonnenen Erkenntnisse weiter. So war ich mit meinen 6 Jahren
zu Beginn des letzten Kriegsjahres für dieses Alter schon verhältnismäßig
gut über das Leben im Hinterland der Kriegsereignisse "informiert",
eigentlich mehr als mir als kindlicher "Volksgenosse" schon
zustand.
Äußerlich
war es mir bis dahin recht gut gegangen, wenn auch das Essen kriegsbedingt
nicht immer schmeckte. Ich hatte schönes Spielzeug von den Eltern,
wohlmeinenden Tanten und Onkels bekommen. Im Hausgarten ein bescheidenes
Spieleckchen mit Sandhaufen. Im Winter die öffentliche Rodelbahn
vor der Haustür. Die nähere Umgebung am Rande der Stadt Pirna
war ein ideales Feld für Entdeckungsstreifzüge. Im Februar 1944
wurde meine jüngere Schwester Ulrike geboren. Aus erzieherischen
Erwägungen und weil meine Schwester Eva in die Schule musste und
sie mir weniger als ideale Spielkameradin und Betreuerin zu Verfügung
stand, wurde ich zu meinem Verdruss halbtags in einen Kindergarten der
NSV ("Nationalsozialistische Volkswohlfahrt") geschickt.
Mitte August
1944 kam die Einschulung. Die schönen blonden Haare fielen und ich
erhielt den "Jungenschnitt", der mir den nicht unzutreffenden
Spitznamen "Kohlrübe" einbrachte. Aber diese Frisur erleichterte
die Arbeit der "Mätzeltante", einer Fürsorgerin, welche
in der Schule die Kinderköpfe nach Läusen abzusuchen hatte.
Durch Verschlechterung der Volkshygiene als Folge von Flüchtlingselend
und Rationierung von Körperpflegemitteln, waren derartige Aktionen
nötig. Der Unterricht erfolgte im Schichtbetrieb in der Mädchenschule,
weil man die Knabenschule zum Lazarett umfunktioniert hatte. Auf dem Schulhof
lagen große Haufen von Knochen, Lumpen und Altpapier. Die Altstoffe
wurden von Schülern gesammelt und es gab dafür Gutscheine für
Kernseife u.a.m.. Wir hatten uns in Reih und Glied im Hof anzustellen
und wurden von einem "großen" Schüler ins Klassenzimmer
geführt. Nach dessen Ruf "Achtung!!" wurde
der Lehrer mit "Heil Hitler" und erhobenem Arm begrüßt.
Bei einigen Lehrern erfolgte dann zunächst die peinliche Sauberkeitskontrolle
der Hände. Bei Unsauberkeiten gab es dann mit dem Lineal oben oder
unten ein paar "drauf". Ohrfeigen holte man sich gelegentlich
beim Lehrer am Podium ab. Bei Fliegeralarm zur Schulzeit durfte ich auf
Grund der geschönten "nur 5 Minuten" Heimweg die Schule
verlassen, während Kinder mit längerem Schulweg in den Schulbunker
mussten.
Mit Zunahme
der Luftalarme verschwand leider auch der schöne Teich im Stadtpark
mit seinen zwei Schwänen, die wir mit welken Salatblättern gern
gefüttert hatten. An seiner Stelle wurde ein Luftschutzbunker angelegt.
Nach einem kleineren Angriff auf die Pirnaer Südvorstadt bekamen
wir erst im April 1945 den Bomberkrieg auch in Pirna stärker zu spüren.
Zum Glück hat es nur vereinzelt größere Angriffe gegeben:
Auf den Brückenkopf und dessen Umgebung, auf das Stahlwerk und auf
die Eisenbahnanlagen.
Nach der "Entwarnung"
richtete sich unser Blick immer auch auf die Marienkirche. -Ob sie wohl
noch stand ? Unter Evas Klassenkameradinnen war ein Bombenopfer zu beklagen.
Unser ehemaliges "Pflichtjahrmädel" wurde auf der Klosterstraße
ausgebombt. Das frische Grab meiner gerade verstorbenen Großmutter
war nach dem Angriff auf die benachbarten Eisenbahnanlagen in einem Trichterfeld
nicht mehr auffindbar.
In der Nacht
vom 13. zum 14. Februar 1945 sah ich von Pirna aus am Horizont das brennende
Dresden, am Tage darauf die riesige Qualmwolke über unserer Stadt,
aus welcher verbranntes Papier heruntersegelte. Bei Großvater trafen
die ausgebombten Verwandten aus Dresden ein: Mutters Schwester Käte
mit 4 durch die Bombardierung verängstigten Kindern.
Obwohl es bei
Strafe verboten war, ist unsere Mutter so vertrauensvoll oder leichtsinnig
gewesen, uns das Kriegsende und den Einmarsch der Russen anzukündigen.
Denn an den "Endsieg" hatten die Volksgenossen noch unbedingt
zu glauben! Mutter hatte uns aber untersagt, am Radio herumzudrehen, damit
wir nicht versehentlich "London" empfingen. Denn darauf gab
es KZ und unser Radio mit seinem alten Audion-Empfangssystem konnte leicht
beim Abhören von "Feindsendern" angepeilt werden. Wir Kinder
waren ziemlich hellhörig, wenn sich die Erwachsenen unterhielten
und bekamen mehr mit, als wir vielleicht sollten. Es wurde u.a. über
Flucht diskutiert, auch dass die Russen schon in Berlin seien und von
da sei es nur ein "Katzensprung" bis zu uns.
Vor unseren Fenstern marschierte auch noch der "Volkssturm"
mit Panzerfäusten vorbei. In seinen Reihen erkannten wir einige uns
bekannte "Opas" aus der Stadt. Auf den Straßen wurden
aus langen Baumstämmen Panzersperren errichtet. In unserem Schrebergarten
fanden wir eines Tages Schützenlöcher vor. Schließlich
standen wir Kinder am Straßenrand, als eine der letzten deutschen
Armeen in Richtung Böhmen durch Pirna zog. Ich erinnere mich an Panzer,
die in den Straßenkurven Asphaltschollen ausschürften und an
Soldaten mit umgehängten Patronenketten. Nach Verkündigung von
Hitlers "Heldentod" hängten noch etliche Leute die Hakenkreuzfahne
mit Trauerflor heraus, was unsere Mutter spöttisch beobachtete. Aber
der Krieg war damit leider immer noch nicht ganz zu Ende.
Am Vormittag
des 8.Mai spielten wir Kinder im Vorgarten des Wohnhauses. Die einjährige
Ulrike saß im Laufgitter oder Kinderbettchen in unserer Nähe.
Ohne Vorwarnung tauchten im Tiefflug einzelne Flugzeuge auf und verschwanden
wieder. Eva und ich rannten zum Küchenfenster, um Mutter zu fragen,
ob wir nicht lieber in den Keller gehen sollten. Aber Mutter beruhigte
uns mit dem Hinweis, dass der Krieg schon zu Ende sei .Doch dem war noch
nicht so! Plötzlich hörten wir in der Nähe starke Explosionen.
Wir rasten in den Keller; Mutter kam gerannt, Ulrike zu holen und folgte
uns nach. Kaum im Hauptgang des Kellers angekommen, hörten wir lautes
Krachen und warfen uns auf den Boden. In Staub gehüllt warteten wir,
vor Schreck wie erstarrt auf den nächsten Schlag. Doch der kam gottlob
nicht. Stattdessen kamen Hausgenossen, die in ihren Wohnungen überrascht
wurden, mit Splitterverletzungen, zum Glück leichterer Art, zu uns
in den Kellergang herunter. Hier rotteten sich die meisten Hausbewohner
zu einer verängstigten Herde zusammen und erwarteten weiteres Unheil.
Im gesicherten
"LSR" hatte zunächst nur eine Flüchtlingsfrau aus
dem Rheinland mit ihrem Kindchen auf Grund ihrer Bombenkriegserfahrung
Schutz gesucht. Nachdem über längere Zeit wieder Ruhe eingekehrt
war, wagten wir uns nach und nach wieder heraus. Splitter von Glas und
Holz lagen herum, die Fenster zum Teil geborsten, der Putz in Schollen
von der Decke gefallen. Was auf den Möbeln gestanden und gelegen,
lag auf dem Fußboden verstreut. Aber das Haus stand noch! An der
Hausecke, wo sich das eiserne Haustor befunden hatte, fanden wir einen
Bombentrichter vor. Wäre die Bombe wenige Meter daneben eingeschlagen,
wäre es ein "Volltreffer" mit allen Konsequenzen gewesen.
Der Vorgarten, den wir gerade noch rechtzeitig verlassen konnten, war
verwüstet. Unweit von uns hatte es bei dem Angriff einen Volltreffer
mit 14 Toten gegeben. Schnell ging es ans Aufräumen, wobei Eva wieder
ordentlich mit zupacken musste. Am Nachmittag diskutierten die Frauen,
wie sie sich auf den Einmarsch der Russen vorbereiten sollten. I h r e
Ängste vor Übergriffen kannten wir Kinder natürlich nicht.
Eine Nachbarin überredete meine Mutter, die Nacht mit uns Kindern
in der benachbarten Villa, Bergstraße 16, zu verbringen, statt in
unserem angeschlagenen Wohnhaus. Dort wollten die Hausbewohner im Kellergeschoss
eine Art Schutzgemeinschaft bilden. Gegen Abend begann die gegenüberliegende
Brauerei lichterloh zu brennen; es sollen Ölfässer in ihr gelagert
gewesen sein, die explosionsartig in Flammen aufgingen. Man befürchtete
das Übergreifen des Feuers auf unser Wohnhaus. In einem Raum des
Kellergeschosses der benachbarten Villa, die unglücklicherweise direkt
an der Heeresstraße lag, erwarteten wir nun die Ankunft der Russen.
Mutter hat besonders
das erste Panzerrohr beeindruckt, das im Blickfeld des Fensters auftauchte.
M e i n e erste Erinnerung: Auf dem Gehweg ein Russe in Uniform, der grimmig
um sich blickend, in alle möglichen Richtungen schoss. Meine Neugier
war also größer als die Angst oder ich war mir der Gefahr,
im Schussfeld zu stehen, nicht bewusst. Dann wurde die Tür aufgerissen.
Ein kräftiger russischer Soldat schaute kurz in unsere Runde, schritt
dann aber ohne Umschweife zu einem Kleiderschrank, dem er einige Stücke
entnahm und entfernte sich wieder. Mutter erklärte mir: Das nennt
man "Plündern".( Wieder einen Begriff dazugelernt! ) So
soll es zunächst mit Plünderungen weitergegangen sein, woran
ich mich selbst nicht mehr erinnere. Denn fortlaufend hielt eine Panzerbesatzung,
die sich in der Arztvilla, die wie ein "Kapitalistenhaus" aussah,
Kriegsbeute erhoffte.
Nach Einbruch
der Dunkelheit wurden die Russen aufdringlich. Da erinnere ich mich, wie
sich ein Russe, mit einer MPi in der Hand, grinsend und aufdringlich zu
unserer wehrlosen Familie setzte und auf Mutti ständig einredete.
Gelegentlich richtete er drohend den Lauf seiner MPi auf uns Kinder und
sagte dazu "Bui-Bui!!". Mutti versuchte ihn zu besänftigen
und sagte: "Du hast doch auch Frau und Kinder!" Er antwortete:
"Deutsche alle totgeschossen". Um uns Kinder zu besänftigen,
reichte er uns eingepackte Bonbons aus seiner Brusttasche, die wir aber
nicht aßen. Mutter dachte, wir hätten sie aus Stolz verschmäht.
Aber Eva flüsterte mir zu, sie seien bestimmt vergiftet. Der Russe
fragte Mutti: "Wo ist dein Mann ?" - Ich weiß nicht mehr,
was sie antwortete. Aber Mutti sagte noch zu mir und Eva: "Wenn der
Vati jetzt hier wäre, würden ihn die Russen totschießen".
Mittlerweile
wurden die Russen zu einigen Frauen im Raum handgreiflich und versuchten,
sie aus dem Zimmer zu zerren. Die Frauen leisteten Widerstand und eine
zeterte entsetzlich. Auf unsere fragenden Blicke sagte Mutti, die Russen
wollten sie mit nach Russland nehmen. Aber wenigstens spielten sich keine
Vergewaltigungen vor uns Kindern und den restlichen Anwesenden ab. Vielleicht
um das zu verhindern, sagte Mutti, sie müsse einmal kurz weg, und
überließ uns der Obhut einer älteren Nachbarin, die zuvor
vergeblich den Versuch unternommen hatte, "unseren" Russen mit
Schmuck zu besänftigen.
Schwester Eva
und ich kämpften nach dem aufregenden Tag mit dem Schlaf; unsere
kleine einjährige Ulrike bekam wahrscheinlich weniger mit von den
Vorgängen. Trotz unserer Müdigkeit schliefen Eva und ich wohl
wenig, weil Mutti länger fortblieb. Nachdem sich Mutti dem Russen
einmal hatte hingeben müssen, war es ihr gelungen, sich in einem
teilweise unter Wasser stehenden, dunklen Kellerraum bis zum Morgen erfolgreich
zu verstecken. Von diesen ihren Erlebnissen haben wir Kinder natürlich
erst später etwas mehr erfahren.
Am Morgen des
9.Mai kehrten wir in unsere Wohnung zurück. Die dortigen Hausgenossen
hatten sich sehr klug im Keller inmitten von Trümmerteilen verschanzt
und den Russen immer wieder gesagt: "Alles kaputt!" - Sie blieben
ziemlich unbehelligt. Bei allem hatten wir noch das Glück, dass wir
es beim Einmarsch mit einer sog. "Elitetruppe" zu tun hatten
und nicht mit den gefürchteten "Mongolen", jenen Sibiriern,
die den "Panzerspitzen" gewöhnlich nachfolgten. Dramatische
Szenen mit Tötungen und Suiziden, wie sie sich gelegentlich beim
Einmarsch der Russen abgespielt hatten, brauchten wir uns gottlob nicht
mit anzusehen. Aber immer wieder kamen Russen und nahmen etwas mit. Trotz
allem kam es gelegentlich auch zu kleinen Zeichen des Mitgefühls.
Ich erinnere mich, wie ein Russe eine kleine Brosche von Eva einstecken
wollte. Er ertrug es nicht, dass Eva ganz still die Tränen kamen
und legte die Brosche wieder hin. Großvater erzählte, dass
ihm ein junger Russe Unterwäsche zurückbrachte die er gemeinschaftlich
hatte mitnehmen müssen.
Mutter hatte bald
begriffen, dass man den Russen energisch entgegentreten musste. "Du,
Kommandant hat gesagt...!!" Damit hatte sie vor allem Erfolg, als
8 Tage nach der "Befreiung" unser Wohnhaus Mannschaftshaus der
benachbarten Kommandantur wurde und wir innerhalb von 6 Stunden unsere
Wohnung "mit dem Lebensnotwendigsten" wie es hieß, verlassen
mussten. - und das unter den Augen der übermütigen Sieger! Ich
weiß nicht, wie es Mutter geschafft hat, unter den gefährlichen
Umständen in den darauf folgenden Tagen ein Fuhrwerk zu beschaffen,
um noch Einrichtungsgegenstände abzutransportieren. Mit allem, was
wir nicht aus der Wohnung herausbekamen, machten die Russen, was sie wollten.
Schreibtischkästen wurden auf die Straße gekippt; wir Kinder
sammelten einiges davon wieder auf. Einige Möbel wurden irgendwo
im Gelände abgestellt. Immer wieder wagte sich Mutter mit uns gelegentlich
in die besetzte Wohnung, um weiteres zu holen. Dabei stiegen wir unter
Lebensgefahr über besoffen und halb schlafend auf dem Boden liegende
Russen und Weiber.
Mutter steckte
ihre erlittene Erniedrigung trotzig weg und versuchte sehr mutig, so viel
wie möglich zu retten; auch in der Zuversicht, dass mein Vater wieder
heimkehrt. Wir kamen behelfsmäßig bei Großvater auf der
Robert-Koch-Strasse in Pirna unter, gerettete Möbel kamen vorwiegend
in ein Lagerhaus.
Aus heutiger
Sicht versuchten die sowjetischen Kommandeure, die Gewalt und Plünderungen
einzudämmen und die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.
Am Tage zogen die Soldaten in Kolonnen singend durch die Straßen,
was wir Jungs unter Missbilligung der Erwachsenen imitierten. Im allg.
waren die Russen kinderfreundlich und duldeten z.B., dass forsche Knaben
die physikalischen Lehrmittel aus der "Adolf-Hitler-Schule"
zum privaten Gebrauch mit Leiterwagen einheimsten. Aber unsere Jungs meinten,
die Russen wüssten sowieso nicht, was das alles ist und es verbreiteten
sich massenhaft amüsante Berichte über den Umgang der Russen
mit unseren kulturellen Standards. Nachts waren die Russen allerdings
noch recht gefürchtet, besonders wenn sie besoffen mit Gewehrkolben
an die verschlossenen und mit Balken verrammelten Haustüren schlugen
und "aufmachen, aufmachen!!" brüllten.
Die Lebensmittelversorgung
kam erst allmählich und notdürftig mit der Einrichtung "antifaschistischer"
Verwaltungsorgane wieder in Gang. Wir ernährten uns zunächst
von dem, was wir bei der Aufteilung von staatlichen Reservebeständen
zufällig abbekommen hatten: 1 Sack Zucker, 1 Sack Nudeln. Da gab
es, mindestens eine Woche lang, süße Nudeln, ohne Fett und
Eiweiß und ich tat mich trotz Hunger schwer damit. Zur Verpflegung
ihrer Familien riskierten die tapferen Mütter viel bei Tauschgeschäften,
auch mit den Russen. Gierig aßen wir das stückchenweise getrocknete
"Russenbrot" ohne Aufstrich. Meine zehnjährige Schwester
Eva scheute sich nicht, durch biwakierende Besatzungstruppen hindurch
für die kleine Schwester auf dem Dorf Milch zu besorgen.
Gemessen an
dem, was Menschen auf beiden Seiten der Fronten, besonders "Ausgebombte"
und Flüchtlinge, vor allem am Kriegsende durchmachen mussten, habe
ich mit unserer Familie noch vergleichsweise gut überlebt, was aber
ganz wesentlich dem unerschrockenen Einsatz meiner Mutter zu verdanken
ist.
Der schmerzliche
Verlust des Vaters wurde uns erst zwei Jahre später zur Gewissheit.
Seit dem 16. Januar 1945 kam vom Vater, zuletzt Ordonnanzoffizier an der
Front, keine Feldpost mehr. Erst 1947 erfuhren wir im Ergebnis von Nachforschungen
der Mutter, dass er am 30 Januar 1945 in Schwetz (Swiecie) an der Weichsel,
nördlich von Bromberg(Bydgoszcz), bei Rückzugsgefechten mutmaßlich
gefallen ist.
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