Zum Andenken an die toten Soldaten des tausendjährigen Reiches.
Der Soldat musste vortreten, Haltung annehmen und wurde vor den Kameraden
seiner Einheit ausgezeichnet, indem ihm der Kommandeur das schwarzglänzende
Kreuz verlieh und an den Uniformrock heftete.
Wie aus weiter Ferne hörte er die Stimme des Bataillonsführers:
"Mutig, mit vorbildlicher Moral und unbeugsamem Kampfgeist hat unser
Kamerad - von seiner Einheit abgeschnitten - im unbedingten Willen, zu
seiner Truppe zurückzukehren, ganz auf sich gestellt einen wichtigen
feindlichen Stützpunkt ausgeschaltet und sich so zu den eigenen Linien
durchschlagen können."
Der feldgrauen Moral war Genüge getan.
Der Ausgezeichnete sah sich indes noch einmal in seiner namenlosen Angst
mit der Maschinenpistole wild um sich schießen, sah sich seine letzte
Handgranate werfen und spürte noch einmal die gleich danach herrschende
Totenstille auf sich lasten.
Der Händedruck des Kommandeurs holte ihn aus seinen lähmenden
Erinnerungen. Unbewusst salutierte er und trat ins Glied zurück.
Dort - von seinen Vorderleuten verdeckt - fasste er sich an die Brust
und ertappte sich dabei, wie er auf seine Hände schaute, sich zu
vergewissern, dass keine Blutspuren daran zu sehen waren. Das Kreuz, ob
stilisiert aus Metall an der Uniform oder einfach aus Holz in der Erde
steckend, bedeutete es nicht immer Leiden, Wunden, Tod?
Als der Soldat nur wenige Tage später, über seinem Ordenskreuz
in die Brust geschossen, zu Boden sank, bekam er wieder ein Kreuz, dieses
Mal das andere, glanzlose und auf Endgültigkeit weisende aus Holz.
Und das kleine, aufgemalte, schwarze Kreuz in der Mitte hatte nur noch
die Form mit der ihm verliehenen Auszeichnung gemein, war im übrigen
ein amtliches Zeichen für den toten Soldaten geworden, den man eingereiht
hatte in das große Heer derer, die unter ihren uniformen Kreuzen
überall in der Welt - wie das Gesetz es befahl - zu Helden geworden
waren, nachdem man ihnen - wie das Gesetz es befahl - versagt hatte, ihr
Leben zu leben und ihr Kreuz zu tragen.
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© 2002 Hans-Werner Ecker
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