Ein Wort voraus

In der Gründungsphase des SNHH 1998 wurde auch eine Klientel von Senioren angesprochen, die das neue Medium Internet entdeckte und nutzte, um die meist traumatischen Erlebnisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit  für sich selbst durch eine Niederschrift aufzuarbeiten und mit anderen auszutauschen. Da bot es sich an, das Seniorennet als Forum mit einem Link „Zeitzeugen“ zur Verfügung zu stellen. Über die entsprechenden Stichworte in den Suchmaschinen (Google gab’s zunächst noch nicht)  fanden bundesweit viele den Weg zu unserem Link und schrieben den Moderator und Redakteur des Links an.
Soweit die Autoren vorab festgelegte Spielregeln einhielten, wurden die eingehenden  Beiträge von ihm redigiert, soweit möglich auf historische Ungenauigkeiten hin überprüft,  die Texte in eine auch „online lesbare Kürze“ gebracht und an die Autoren  zur Genehmigung zurückgesandt. Unsere jeweiligen Webmaster  haben die Beiträge dann formatiert und in eine sehr ansprechende Form gebracht. Dabei sind schließlich bis 2003 insgesamt 62 Beiträge von 38 Autorinnen und Autoren gesammelt und veröffentlicht worden.
Das Echo in der Öffentlichkeit war, insbesondere in den „Jubiläumsjahren ( 60 Jahre seit ….dem Feuersturm in Hamburg … Kriegsende…..)“, sehr groß. Bald nach den ersten Beiträgen im Netz, erbot sich ein ehemaliger Angehöriger der Royal-Airforce aus Kanada – der deutschen Sprache leidlich mächtig - Beiträge ins Englische zu übersetzen. Kontakte nach Übersee entwickelten sich und der Moderator konnte vermitteln. Eine internationale „Luftwaffenhelferplattform“ ist auf diese Weise entstanden, die zwischenzeitlich einen eigenen Link betreibt. Journalisten verschiedener Rundfunksender, Fernsehsender, diverser Presseorgane lasen gezielt Berichte und baten um Vermittlung zu den Autoren. Der einzigartige Feuersturmbericht (Hamburg 1943) von Elfriede Sindel  fand beispielsweise auf diesem Wege Eingang in die GEO-Dokumentation von Christoph Kucklick. Aus New York kam eine Wissenschaftlerin und führte Interviews mit von ihr ausgewählten Autoren und Autorinnen und aus Oxford kam ein Professor für Zeitgeschichte und lud ins Radisson-Hotel zu Tonbandaufnahmen. Ein Hörfunk-feature mit Live-Aufnahmen des Brandenburgischen Rundfunks stand lange Zeit im Internet. Eine kleine Erfolgsgeschichte aus der Vergangenheit des SNHH. 

Seit 2006 gehen nur noch selten Anfragen ein und unsere Autorinnen und Autoren sind heute zwischen 75 und 85, soweit sie überhaupt noch unter den Lebenden weilen. Kontaktaufnahmen und ihre Vermittlung werden zunehmend schwieriger oder werden ganz abgewehrt. Das ist zu respektieren und so wurde bei der Umgestaltung der HP des SNHH im Sommer 2007 gemeinsam mit den Gestaltern und dem Vereinsvorstand beschlossen, das Forum zu schließen.

Die „Zeitzeugenseite“ war eine Sammlung ganz persönlicher zeitgeschichtlicher Zeugnisse „Gegen das Vergessen“, die sich zu einem Forum entwickelte. Etliche Organisationen wie z.B. das Zeitzeugenbüro in Hamburg oder das Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln u.a. haben die Seite verlinkt. Schon dies ist Grund genug, die Sammlung im Archiv als historisches Dokument auch der Vereinsgeschichte zu erhalten. Die Autorinnen und Autoren wurden von der Schließung des Forums verständigt und gebeten, ihre Beiträge an das „Lebendige Museum Online“ im Haus der Deutschen Geschichte in Berlin, zu senden, damit sie für die Nachwelt erhalten bleiben.

Volker Kuhlwein ( Moderator und Redakteur der Zeitzeugenseite von 1998 bis 2008)

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