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"Kreeken" in Blankenese

kreekEndllich ist es richtig Winter und seit 4 Wochen haben wir Schnee. Frostig ist es und der Schnee bleibt sogar liegen. So erinnern sich Blankeneser Jugendliche, dass seit uralten Zeiten, also mindestens über 10 Jahre, unten im Keller Vaters Kreek steht. Ein Steuerknüppel liegt wohl noch im Garten und dann fragt man eine Freundin, ob sie mit zur neuen Wiese im Schinkelspark zum Kreeken kommt. Ich weiß natürlich, dass es eigentlich rüschen heißt, aber wer weiß das denn heute noch.

Auf der 400 m langen Bahn vom Kösterberg bis zum Waseberg ist an diesem Sonntagnachmittag schon fix was los. Alt und jung sehen zu, wie hier in Blankenese im Winter gerüscht wird. Da donnern die kastenförmigen Eisschlitten der Blankeneser zu Tal, gesteuert wird mit einem langen Steuerknüppel, der auch schon mal die Länge eines Großmastes einer Segeljolle haben kann. Gut ist es auch, wenn man eine Freundin dabei hat, der man sagen kann, wie gerüscht wird. Dann geht es los zum Kösterberg hoch. „Füße hoch und zusammenklappen wie ein Taschenmesser, Kopf runter und festhalten mit beiden Händen.“ Ein Gewirr von vielen Steuerknüppeln reicht fast in die Blankeneser Landstraße rein. Leute mit gekauften Schlitten sind hier Fehl am Platze und werden weitgehend negiert. Da wird auch schon mal rüde behauptet, dass dies hier eine Kreekbahn sei und im Hessepark wäre man mit dem Schlitten bei den Kindern besser aufgehoben. Ein wohl angehender Jurist meint über das ungeordnete Chaos hier: „Ich verstehe die Regeln hier nicht.“

Kommt die Kreek endlich auf der Anlaufbahn in Fahrt, wird „Raum“ und „Warschau“ gerufen, auch von Blankenesern, die noch nie mit dem Segelsport in Berührung gekommen waren. Jede Nacht wird der Anlaufberg wahrscheinlich mit einem Gartenschlauch gewässert. So kann eine Zweimannkreek ordentlich Fahrt auf nehmen und bei der ersten Bodenwelle hochspringen, dass die Wirbelsäule kracht und dann wird gejucht, wenn der Schmerz nachlässt. Wer jetzt noch nicht von der Kreek gerutscht ist, wird es auf dem letzten Teil der Rodelbahn auch nicht mehr. Musste man aber „aussteigen“ tut man gut daran, jetzt schleunigst Land zu gewinnen und die Bahn zu verlassen, denn die nächste Kreek naht schon. Hier an diesem Teil der Bahn haben sich besonders viele Zuschauer versammelt. Hier trifft man alte Bekannte oder auch nicht. Eine 43 Jährige bedauert, dass aus ihrem Abiturjahrgang niemand hier zu sehen ist.

Plietsche haben Glühwein, Schnaps und Gebäck dabei. Ein zweiflammiger Gaskocher zum Warmmachen von Glühwein ist im Betrieb.

Wie die Galeerensklaven ziehen die Jugendlichen und auch gestandene Familienväter ihre schweren Kreeken immer wieder den Berg hoch. Willig schleppen ihre Mädels den überlangen Steuerknüppel. Das kennt man sonst gar nicht. Ein fast 70 Jähriger aus der bekannten Blankeneser Harmstorf Familie zeigt dem jungen Volk, wie man zünftig rüscht und auch heil unten am Waseberg ankommt.. Eine gute freundliche Stimmung herrscht und man ist dankbar, dass man endlich mal wieder in Blankenese rüschen kann.

Heiner Fosseck

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Knopf: Startseite Knopf: Uebersicht 21.01.2010 Valid CSS Valid HTML401