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"Rummelpottlaufen" 2009

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"Rummelpottlaufen" 2009

rummel

Man hatte sich frühzeitig für Sylvester eingedeckt mit Süßigkeiten und alles parat gelegt. Nun konnten die vielen Rummelpottkinder kommen, die alljährlich im Blankeneser Treppenviertel und anderswo am Altjahrsabend von Haus zu Haus gingen und ihre bekannten Verse aufsagten.

Aber man wartete vergebens. Kein Mensch klingelte an der Haustür. Niemand von den Blankeneser Kindern ließ sich blicken. Schade, dachte man. Waren die Kinder nun mit den Eltern zum Schilaufen in Kitzbühel? Oder, saßen die lieben Kleinen vielleicht vor dem Computer und dattelten lieber ihre Ballerspiele ab, anstatt an fremden Türen zu klingeln, um nach dem man die Rummelpottverse aufgesagt hatte, halb vertrocknete Lebkuchenherzen oder ungesunden Baumbehang von Aldi einzusammeln? Hatten die lieben Blankeneser Mütter vielleicht Bedenken, ihre Sprösslinge im Dunkeln durch Blankenese laufen zu lassen?. Man liest heutzutage soviel Schlimmes.

Am 31. Oktober, ja, da haben uns schrecklich kostümierte kleine Kobolde besucht und mit knappen Worten „ Süßes oder Saures“ mehr oder weniger drohend Geld oder Süßigkeiten eingefordert. Da war man gar nicht darauf vorbereitet gewesen. Nichts im Haus und damit man nun nicht Rasierschaum an der Gartenpforte vorfinden würde, hatte man auf die Schnelle ein paar Euros als Lösegeld geopfert. Helmut Wichmann berichtet von Eierwürfen an die Hauswand und ein kleiner Tunichtgut schoß sogar mit einer Klebstoffpistole auf fremde Häuser.

Doch, doch, es gab Sylvester zumindest einige Rummelpottläufer. Die hatten sich zünftig kostümiert. Fünf alt gediente Blankeneser, die etwa schon um 1950 herum, ihre Rummelpottverse aufgesagt hatten, waren im Treppenviertel treppauf und treppab unterwegs und klingelten bei Helmut und Karin Wichmann an der Süllbergstreppe und bei dem Ehepaar Schröder am Strandweg. Da wurden fehlerlos die Rummelrummelrusch -Verse aufgesagt und wenn dann nicht geöffnet worden wäre, hätte man sich auch nicht gescheut „Witten Tweern, swatten Tweern, disse Olsch de giv nich geern“ zu sagen. Aber das war meist nicht nötig. Die 7 Leutchen waren zünftig mit einem richtigen Rummelpott ausgerüstet. Woher sie nun die Schweinsblase dazu hatten, ist mir nicht klar. Ich glaube von Hannelore Droop. Der traue ich das zu. “Wie schön, dass ihr kommt. Von den Kindern war niemand hier“, wurde gesagt. Klar ist aber auch, dass man sicht nicht nur mit Süßigkeiten abspeisen lassen wollte. Ein Schnaps bei der Kälte wäre doch jetzt angebracht. Die Frage, ob das die Eltern erlauben würden, erübrigte sich, waren das Ehepaar Spiegelberg, Hannelore Droop, Ehepaar Helga und Horst Neugebauer vom Strandweg und noch ein mir unbekanntes Ehepaar schon seit etlichen Jahrzehnten aus dem Alter heraus, dass man die Eltern noch fragen müsste, was man tun und lassen müsste.

Helmut Wichmann im Vorstand des Blankeneser Bürger-Verein möchte nun eine Initiative starten, um den Brauch des Rummelpottlaufens am Altjahrsabend wieder in Blankenese zu beleben.

 

Wie stellt man einen Rummelpott her?

rummelpottBeim Schlachter besorgt man sich eine frische Schweinsblase und stülpt sie über ein Gefäß. Ein Loch in die Blase und mit einem angefeuchteten Holzstab reibt man hin und her. Das ergibt einen tiefen Ton, ein erschröckliches Brummen. Das Anfeuchten macht man am besten mit der Zunge. Sehr appetitlich ist so eine Schweinsblase nicht. Die stinkt erbärmlich und muß natürlich erst gründlich gereinigt werden. Wenn sie ein paar Tage alt ist, wird sie brühig und reißt. Je nach dem, was das Schwein gefressen hat, kann die Schweinsblase, wie bei Menschen auch, in allen Farben schillern. Krankenschwestern und Ärzte können von menschlichen Blasen erstaunliches Berichten. Am Interessantesten sind die Blasen von Säufern oder starken Rauchern.

 

Heiner Fosseck

 

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