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Die "Nacht des Wissens" 2009

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Die "Nacht des Wissens" 2009

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Zum dritten Male fand am Samstag, dem 7. November in und außerhalb von Hamburg „Die Nacht des Wissens“ statt. Als etwas bildungsferner Zeitgenosse, wollte ich es nun auch mal wissen, was die akademischen Institute und Einrichtungen mit unseren Steuergeldern anfangen.

Zuerst sind meine Frau und ich zur Reeperbahn gefahren und dann zwischen einer riesigen Baustelle, wo ein schrecklicher 70er Jahre Bau abgerissen wird und einer Seniorenanlage, wo unsere gute Erika Vetter jetzt wohnt zum Deutschen Seewetteramt gegangen; aber es war zu früh und ich machte den Vorschlag, irgendwo auf St. Pauli einen Glühwein zu trinken. Ich hatte das Stammlokal von Hans Kolb „Silbersack“ angedacht, was von meiner Frau entrüstet abgelehnt wurde. In der Davidstraße fand ein Lokal gegenüber einem protzigen Hotelneubau Gnade vor den Augen meiner Gattin.

Anschließend im Seewetteramt wurde uns vorgeführt, wie genau heutzutage der Wind gemessen wird. Windgeschwindigkeiten ab 0,02 m/sek werden elektronisch gemessen und auch senkrechte Winde können registriert werden. Die Bibliothek des Hauses hat den schönsten Hafenblick von Hamburg, meinte eine Mitarbeiterin. Gleich nebenan ist das Bernhard – Nocht – Institut. Im altehrwürdigen brechendvollen Hörsaal hörten wir einen so interessanten Vortrag über “Malaria und genetische Selektion beim Menschen. Ich habe behalten, dass Malaria in Afrika eine Kinderkrankheit ist und über eine Million Menschen jährlich an dieser Krankheit sterben. Die genauen Einzelheiten über die Sichelkrankheit werde ich verschweigen. Den Vortrag „Amöben, die schwache Seite des starken Geschlechts?“, wurde natürlich von einer Frau gehalten und haben wir uns erspart.

Dieser unangenehme Wissensballast reichte uns und wir marschierten zurück zum Hamburger Dom, wo es infernalisch laut war. Jetzt gibt es dort eine Fünf-Looping-Achterbahn und ein fünfzig Meter hohes Kettenkarussell.

Weiter ging es am Untersuchungsgefängnis vorbei zur Bucerius – Law - School. Hier ist wohl Hamburgs schönstes Audimax hinten im Park gebaut worden. Außen Glas und innen helles Holz. Hier wurde uns alles über diese Elite-Hochschule erzählt. Die Gebühren für einen Studenten betragen jährlich 40 000 Euro !!! Aber es gibt viele Finanzierungsmöglichkeiten. Die Studenten können 24 Stunden am Tag das Institut besuchen. Abends um Acht Uhr am Sonnabend war in der hermetisch gesicherten Bibliothek noch reger Besuch. Wir wurden im ganzem Haus herumgeführt. Als wir hörten, dass das Cafe geöffnet hat, haben wir uns schnell verabschiedet und wir waren verblüfft, hier statt einer Kantine eine hochmoderne Bar vorzufinden, die in rotem gedämpften Licht getaucht war. Die Preise waren sehr volkstümlich. Für vier Gläser exquisiten Rotwein und drei große Brezel wurden 7 Euro verlangt. Die angehenden Juristen wissen schon bei ihrer Ausbildung zu leben. Gegenüber bei den Physikern in der Universität Hamburg, Department Physik, wurde uns ein Vortrag über Supraleiter erzählt, dem wir leider mangels Grundwissen nicht folgen konnten. Wir standen eingezwängt zwischen vielen Geräten und Gasflaschen und Arbeitstischen. Hier war reine Arbeitsatmosphäre und keine Schickimicki wie bei den Juristen der Buccerius – Law – School.

Das Wetter war angenehm und so führte unser Weg über dem Gorch – Fock – Wall und der Esplanade zur GIGA „Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften“.

In der Esplanade stand vor einem brechendvollen bayrischen Restaurant ein 8 m langes XXL Auto mit dunkel getönten Scheiben. Statt einer Mafia Großfamilie entstiegen dem Gefährt nur eine vergnügte Gruppe von jungen Leuten, die Junggesellenabschied feierten. Das XXL Gefährt kann man für zwei Stunden mieten für 268 Euro.

In GIGA gibt es noch einen Paternoster den wir mit leichten Unbehagen benutzten. Im Hörsaal im dritten Geschoss wurde gerade ein Vortrag gehalten über Investition und Finanzierungen in Schwellenländern oder so ähnlich.

Wir knabberten lieber im Foyer die Salzstangen auf und tranken jede Menge Kaffee, den langsam wurden wir doch müde.

Hamburg ist schön und einen traumhaften Blick gibt es vom Neuen Jungfernstieg auf Binnenalster, Wasserfontäne und auf die beleuchteten Fassaden der Bürohäuser und Hotels.

Am Neuen Jungfernstieg hatten wir einen Einblick in ein Schaufenster eines besseren Herrenausstatters der dritten Art. Hier kostet eine dicke Winterjacke sage und schreibe 3890 Euro.

Das Willkomm- Center am Alten Wall 11 hatte geschlossen. Nur die Außenstelle an der Uni war geöffnet, was ich überlesen hatte. Im Willkomm – Center werden bessere Neubürger in Hamburg willkommen geheißen und unterstützt.

Jetzt hatten wir genug und ab ging es mit der s-Bahn zurück nach Blankenese.

Ein außergewöhnlicher Abend und die Kosten betrugen alles zusammen für zwei Leutchen 10,80 Euro. Da sage noch einer, in Hamburg lässt es sich nicht leben.

Heiner Fosseck

 

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