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Uschis und Heiners China/Tibetreise, Teil 3 :

Auf dem Dach der Welt

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Auf dem Dach der Welt

potala

 

Schon auf dem Anflug nach Lhasa, der heiligen Stadt der Tibeter ging es mit den Maleschen los. Meine Frau musste ihr Unwohlsein und die Folgen bekämpfen und verbrauchte sämtliche Spuktüten im Flieger, die sich in Reichweite befanden. Jeder in der Nähe guckte angestrengt und genervt aus dem Fenster. Na ja, wir schafften es und staunten über den Flughafen Gongga/Lhasa , der mitten in der Einöde des tibethischen Hochlandes unweit vom  Lhasafluß und Yarlungfluss liegt, der nach zweitausendneunhundert Flusskilometern durch Tibet, Indien und Bangladesh als Brahmaputra  in den bengalischen Golf mündet.
Ich hatte nun gedacht, schneebedeckte, zackige Riesenberge würden sich uns hier in beeindruckender majestätischer Pracht darbieten. Nein, weit gefehlt, nur trostlose braune Geröllberge, die aber auch schon 5000 m Höhe erreichten. Dazu muß man aber wissen, dass die Stadt Lhasa auf 3600 m Höhe liegt. Erstaunlich, dass wir auf unserer einstündigen Busfahrt in die heilige Stadt viele Bäume sahen. Eine langwierige Fahrt über Gebirgspässe blieb uns erspart, denn seit kurzem wurde von den Chinesen ein endlos langer Tunnel gebohrt, der Lhasastadt mit dem Flughafen Gongga verbindet.
Unser lokaler  thibetischer Reiseführer Norbu, ein sehr attraktiver junger Mann, überreichte uns zum Willkommen einen weißen Seidenschal. Er erklärt uns seine tibetische Heimat und lässt durchblicken, dass die Chinesen sein Land als Besatzer seit über 50 Jahren besetzt halten. 40 % der Bevölkerung in Lhasa sind mittlerweile schon Chinesen.

Meine marode Frau verschwindet sofort auf das komfortable Zimmer im Hotel „Tibet“. Die enorme Höhe ist sofort zu merken. Schwere Beine und Atemnot bei der geringsten Anstrengung. Wir mussten munter Tabletten schlucken, die gegen die Symptome der Höhenkrankheit schützen sollten.

 

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Eingang zum Norbulingka, dem Sommerpalast der Dalai Lamas

 

Wir besuchen Norbulingka, den Sommerpalast des Dalai Lamas. Der 4 Millionen Quadratmeter große Park ist von einer riesigen weißen Mauer umschlossen. Hunderte von Ständen mit Krimskram und Andenken. Plötzlich befand ich mich hinter den Ständen, wo leider viele unangenehme Tretminen lagen. Na ja, die Toiletten sind weit und die extrem trockene Luft und der scharfe Wind verteilen diese Hinterlassenschaften und jetzt weiß ich auch, warum so viele Tibeter einen weißen Mundschutz tragen.
Norbulingka (Juwelengarten) ist seit einigen Jahrzehnten Weltkulturerbe. Er ist der höchstgelegene Park der Welt und auch jetzt im Herbst sind viele blühende  Tagetes in Töpfen  zu sehen. Große alte Bäume, bunte Pavillons mit kleinen Seen und der bunte Palast, der von Mönchen bewacht wird, die auf dem Boden hockend, unentwegt ihre Gebete vor sich herbrabbeln. Die Wände sind aufwendig bemalt und überall liegen Geldscheine, die aber wenig Wert haben, herum. Gold und rote Farben dominieren. Interessant waren auch das karge Schlafgemach und das alte Bad des Dalai Lama. Angenehm ist es, in der Sonne auf einer Bank auf der Veranda des Sommerpalastes zu sitzen und die Blumenpracht und dem Springbrunnen zu betrachten. Weniger schön ist, dass eine junge Japanerin neben uns auf der Bank mit den Folgen der Höhe kämpft.
Abends wird in einem Lokal typisch tibetisch gegessen. Ich kann kaum Unterschiede zum chinesischen Essen feststellen und in der Nacht kämpfe ich gegen meinen rebellischen Magen, der all das teure Essen wieder von sich gibt.
Am nächstem Morgen bin ich so marode, dass ich mich weigere, die Weitereise  der Reisegruppe in das tibetische Hochland  anzutreten und bleibe in dem komfortablen Hotelzimmer und bereite mich auf mein Ableben vor. So liegen wir , meine Frau und ich , im Bett und verweigern jede Nahrungsaufnahme. Außer enormen Mengen von Mineralwasser und viel Imodium bleiben wir abstinent. Nach zwei Tagen geht es uns besser und wir erkunden Lhasa auf eigene Faust. Ich lasse meine Fotos entwickeln und brenne eine CD, was mein Glück sein  sollte, wie sich noch herausstellen sollte. In der Stadt pilgern unendliche Pilgermassen, um den Potalaberg mit seinem Palast. Hunderte große messingfarbene Gebetsmühlen müssen gedreht werden. Viele Pilger werfen sich auf den Boden und messen die Umrundung des Potalas mit ihrer Körperlänge aus. Angst bekommen wir, als auch im Dunkel der Nacht an der Hauptstraße diese Menschen sich auf dem Boden werfen, während die vielen Fahrradrikschas  um sie herumkurven müssen. Nachts ist der Potala angeleuchtet und wirkt noch grandioser und traumhaft schön. In der engen Altstadt ist ein offener Laden neben den anderen. Hier wird für jeden sichtbar einem Mann einen Backenzahn gezogen, während die Frau und seine Mutter aus einer Kollektion die Farbe des neuen Zahnes aussuchen. Nebenan hält ein Schlachter Yakfleisch feil, das offen auf einem alten Karton liegt, während seine Frau mit einem alten Wedel  Fliegen verscheucht. Buttertee wird in großen Kannen angeboten, das schmeckt so wie es klingt und auch die Butter liegt in großen Klumpen zum Verkauf aus.
 Ein großes Gedränge ist vor der heiligen Klosteranlage, dem  Jokhang-Tempel, der sich in der Altstadt befindet. Um den Tempel ist auch ein  Pilgerweg, der Parkhor, und vom frühen Morgen an ist hier fix was los. In einer unendlichen Schlange, die von Polizisten immer mal wieder mit Brachialgewalt in die richtige Richtung geschubst wird, warten geduldig die meist ländlichen Pilger, dass sie in den Jokhang-Tempel gelangen und ihre Opfergaben, meist Buttertee und Geld, dem Buddha opfern können. Vor dem Tempel sind riesige Töpfe. In denen werden unter unglaublicher Rauchentwicklung angeblich wohlriechende Kräuter verbrannt. Alles hustet und die Augen tränen, man sieht die Hand vor Augen nicht. Ich glaube jeder Tibeter  hier in Lhasa handelt mit irgendetwas. Meistens haben sie alle dasselbe wie ihre Nachbarn im Angebot. Meine Frau kauft sagenhaft billige Pashminaschals. Die gleichen Schals sehen wir in einem offiziellen Touristikshop für das Zehnfache des Preises, was uns zu denken gibt. Am nächstem Tag kommt unsere Reisegruppe von ihrer Bustour nach Gyangtse und Dzigadze zurück. Bis über 5000 m hoch ging die Fahrt. Es war eiskalt auf den Pässen gewesen und die Landbevölkerung ist sehr arm und rückständig, obwohl auch hier das Handy zum Standard gehört.
Heute geht es zum Potalapalast hinauf. Es dauert doch über eine Stunde, die ein paar hundert Stufen hinaufzusteigen. Immer wieder müssen wir uns verpusten. Leider macht uns ein 17 jähriger Springinsfeld leichtfüßig vor, was für Flaschen wir alten Grufties sind. Auch im Palast sind etliche Treppen zu bewältigen. Überall vergoldete Gräber bis zu 12 Meter hoch, sogenannte Stuppas, von Dalai Lamas und anderen Würdenträgern, die schon lange verstorben sind. Buddha sieht zusammen mit geisterabwehrenden Gottheiten auf uns herab. Rot gewandete Mönche sitzen überall Gebete murmelnd herum. Der Wohnraum des letzten Dalai Lamas ist beeindruckend. Rote runde Holzsäulen tragen eine geschnitzte Holzdecke. Fotografiert darf nicht werden.. Die Schränke sind voller heiliger Schriften. Große Berge von gespendeten Geldscheinen der Gläubigen liegen vor Buddha. Messingschalen mit Wasser und Lampen, die mit Butter brennen stehen auf dem Altar. Hier war der politische und geistliche Mittelpunkt Tibets. Viele Gruppen und Pilger wollen in den Potala-Palast und es ist abzusehen, dass in naher Zukunft Touristen und Pilger in die vielen tausend Räume des Potala-Palastes nicht mehr hineinkommen werden. Es wird schon an einem großen Museum gebaut. Ich drehe an den vielen Gebetsmühlen im großen Saal. Ich werde darauf hingewiesen, dass sich die guten Wünsche und Gebete nur dann erfüllen, wenn man im Uhrzeigersinn dreht. Wenn man die Gebetsmühle verkehrt dreht, wird sich das Gegenteil erfüllen. Ich sage etwas vom schlechten Gewissen und Spieltrieb. Nun hoffe ich, dass ich nicht die Pest und die Cholera bekommen werde oder dass der Pudding anbrennt.
 Oben auf der Dachterrasse haben wir die goldenen Dächer vor Augen und einen traumhaften Ausblick über die Stadt Lhasa, die von immer mehr Hochhäusern und Betonbauten bestimmt wird.
Unten vor dem Potala auf dem großen Platz wird von einer Sportgruppe schon mal die Übergabe der Fackel des olympischen Feuers im nächstem Jahr geübt. Von vielen Fernsehkameras und großem Polizeiaufgebot begleitet. Das Olympische Feuer wird wohl durch ganz China getragen werden.
Das Sera-Kloster am Stadtrand von Lhasa wird von uns anschließend  besucht. Es ist eines der drei heiligen Klöster Tibets. Hier haben Tausende von Mönchen gelebt und gearbeitet. Aber außer ein paar Mönchen, die unfachmännisch weiße Klosterwände anstrichen, war nichts zu sehen. Die hatten wohl einen Betriebsausflug.
Über dem Kloster an einer steilen Bergflanke in luftiger Hohe ist das Himmelsbegräbnis. Hier werden die Verstorbenen hinaufgetragen und zerteilt und den wartenden Geiern zum Fraß vorgeworfen. Vorher werden die Leichen von einem wenig angesehenen Menschen zerteilt. Das war natürlich alles sehr interessant. Leider war von den Vögeln nichts zusehen. Überall flattern verblichene Gebetsfahnen, wie überall an den heiligen Orten der Stadt
Anschließend im Gedränge der Altstadt feilschen wir an einem Verkaufsstand um jeden Jüan um zwei alberne Messinglöwen und hier war es dann auch, dass mir jemand meinen Fotoapparat aus der Jackentasche zog. Die schönen Fotos von Lhasa sind natürlich auch futsch. Nun weiß ich auch, was mir meine Frau zu Weihnachten schenken kann.
Abends wieder typisches tibetisches Abendessen. Hier hielt ich mich diesmal vornehm zurück.
 Am nächstem Tag verlassen wir Lhasa mit dem neuen Zug in Richtung Xian.

Heiner Fosseck
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