Eine Reise nach Südpolen August 2005
Erstaunlich quirlige Damen und ihre Ehegatten fahren für 9 Tage, Ende August 2005, per Bus ins südliche Polen.
Gleich am ersten Tag ging es bis Breslau. Unterwegs an der deutsch/polnischen Grenze wartete der polnische Reiseführer Edward Nowakowski auf uns, der sich als Glücksfall erwies und charmant und kompetent uns sein Polen erklärte. Schon an der Grenze kam sein Geschick zum Einsatz, da eine Dame ihre Reisedokumente nicht bei sich hatte.
In Wahlstatt wurde das Grab Heinrich d. Frommen und das Benediktinerkloster zum Heiligen Kreuz besucht.
Der Herrgott meinte es gut mit uns und während der ganzen Reise schien die Sonne und kein Tropfen Regen fiel. Die tatsächlich benötigten Reiseutensilien hätten in eine Alditüte gepasst.

Breslau: Natürlich besuchten wir die Jahrhunderthalle mit der riesigen freitragenden Kuppel und nicht weit davon entfernt, einen japanischen Garten.
Anfang des 19. Jahrhundert hatten polnische Bauern in einer Schlacht russisches Militär geschlagen und dieser Sieg wurde in einem 150 m langen und 25 m hohen Panoramabild verewigt, das wir gebührend bewunderten.
Der Dom wurde besichtigt und die Elisabethkirche, deren Turm wir bestiegen und dort oben entdeckte, eine geborene Breslauerin,die 1947 vertrieben wurde, das Haus ihrer Großmutter, was uns sehr bewegte.
Das Herz der Stadt ist das wunderbar restaurierte Rathaus und der Platz mit den vielen bunten Patrizierhäusern mit den schönen Giebeln und Fassaden. Abends wurde alles angestrahlt und in einem Lichtermeer getaucht. Man saß gemütlich in einer Konditorei und ließ sich nahrhaften Mohnkuchen schmecken und besichtigte das Gewusel der Menschen auf dem Rathausmarkt mit Musikanten und Feuerschluckern.

Weiterfahrt in Richtung Krakau. Es wurden Stopps eingelegt. Kulturbeflissen, wie die Gruppe nun mal war, besichtigten wir in Mollwitz eine verfallene frühgotische Kirche mit schönen Wandmalereien und in Brieg das Rathaus und das Schloß. Jetzt heißt Brieg auf polnisch Brzeg. Aber das können wir sowieso nicht aussprechen oder behalten. Und so nenne ich nur die deutschen Namen.

In Tarnowitz fuhren wir in ein Silberbergwerk ein. Eingezwängt in einen Förderkorb kamen wir glücklich in 40 m Tiefe in einen uralten Stollen an. Ein oberschlesischer Bergmann erklärte uns die Geschichte und die harte Arbeit der Bergleute. Auf einer Wanderung durch die engen und niedrigen Stollen waren wir froh, daß wir so stabile Helme aufhatten,sonst hätten wir durch die niedrige Stollendecke uns wohl blutige Köpfe geholt. Die unterirdische Kahnfahrt durch einen Wasserabflusskanal wurde mit deutschen Lieder verkürzt und spätestens bei „Glückauf der Steiger kommt“ sangen alle lautstark mit.

Unser Hotel in Krakau war nur ein paar Schritte vom großen Platz mit der Tuchhalle entfernt. So konnten wir am Abend das Leben auf diesen Platz hautnah erleben. 40000 Studenten/Innen prägen diese Stadt. Dazu Unmengen von Touristen. Alles flanierte wie Statisten, vor den wunderbar restaurierten Häusern rund um den Marktplatz, die wie ein perfektes Bühnenbild zu einer Franz Lehar-Operette wirkte. Zu jeder vollen Stunde blies der Türmer von der Marienkirche und warnte immer wieder die Breslauer vor den Mongolensturm. Läden mit bester Schokolade und Delikatessengeschäfte mit Krakauer Würste wurden frequentiert.

In Souvenirshops ersteht ein papstbegeistertes Mitglied unserer Gruppe die bekannten russischen Holzpuppen mit dem Konterfei Benedikt des XVl.

In moralbedrohendem Outfit präsentiert sich fröhliche weibliche Jugend. Dröge sozialistische Spießigkeit ist nicht mehr. Eine polnische Trachtengruppe spielt unermüdlich Volksmusik und im Hintergrund warten Kutscher in herrlichen weißen Kutschen auf zahlungskräftige Kundschaft.

Auch wir genießen die hochsommerliche Atmosphäre und sitzen bis weit in die Nacht bei Bier und Wein.
Einer Dame unserer Gruppe wurde von einem ruchlosen Spitzbuben mit unglaublicher Geschicklichkeit sämtliche Barschaft geraubt. Das mußte unter Erfahrung abgebucht werden.
Wir besichtigen am nächstem Morgen die Marienkirche. Der Andrang der Reisegruppen in der Kirche ist sehr groß und die Erklärung des berühmten Veit-Stoß-Altars konnten wir gleichzeitig in polnisch, deutsch und japanisch genießen.

Auf dem Wawel -Burgberg waren wir auch sehr früh und eine vitale überalterte amerikanische Damenriege in bunten Hosenanzügen und Blümchenhüten und lila und rosa gefärbten Haaren in Begleitung ihrer Sugardaddys rauschte an uns vorbei und zeigte dem Rest der Welt, wie man sich auf Reisen anzuziehen hatte.
Vormittags waren wir im Wieliczka-Salzbergwerk. Seit 7 Jahrhunderten wird hier Salz geschürft und jetzt werden Tag für Tag Tausende von Touristen durch die komfortabel ausgebauten Gänge geführt. Hier ist alles aus Salz. Der Boden, die Decken, die Wände, ja so gar Kirchen, Kapellen und Kronleuchter sind aus Steinsalz, das erstaunlicherweise grau bis schwarz ist.
Wir waren froh, das wir nicht mehr die 740 Stufen der Holztreppe wieder raufsteigen mussten, sondern mit einem Fahrstuhl ans Tageslicht auffahren durften.
Abends waren wir in der, mit barocken vergoldeten Altären angefüllten Benediktiner Kirche, zum Konzert mit Werken von Vivaldi, Bach, Torelli und zum Schluss mit Mozarts Nachtmusik.

Am nächstem Tag machten wir eine Floßfahrt auf dem Dunajec. Die Flöße bestanden aus 5 zusammen gebundenen kleinen Holzkähnen. Geschick navigierten und stakten 2 Flößer das Gefährt durch die Stromschnellen, während wir passende Lieder von Hamburger Veermaster und von „der Pest an Bord“ sangen. Das rechte Ufer war schon Slowakei und der Fluß bildet die Grenze.

Anschließen fuhren wir nach Zakopane. Diese Idee hatten viele andere auch und in der überfüllten Krumuvkagasse erstanden wir, geräucherten Ziegenkäse und aßen ungesunde große Vanillecremetörtchen.
Abends,zurück in Krakau, im Schweinegalopp durch die Stadt zu einem ehemaligen rituellen jüdischen Reinigungsbad, das mit großbürgerlichem Interieur angefüllt war. Hier spielte eine Musikantengruppe jüdische Klezmer Musik.

Am nächstem Morgen reiste die Gruppe nach Hirschberg. In Oppeln wurde die Franziskanerkirche mit den Gräbern polnischer Fürsten besichtigt. Aus dem Stehgreif sang hier eine Dame einer Besuchergruppe mit einer wundervollen Sopranstimme geistliche Lieder.
In Schweidnitz durften wir die übergroße evangelische Friedenskirche besichtigen, die ganz und gar nach dem 30 jährigen Krieg aus Holz gebaut wurde und zum Weltkulturerbe zählt.

Von Hirschberg fuhren wir nach Krummhübel. Die Seilbahnfahrt auf die Schneekoppe wurde wegen Sturm untersagt und so besuchten wir stattdessen eine 700 Jahre alte norwegische Stabholzkirche, die vom preußischen König gekauft und von evangelischen Schlesier hier im ehemaligen Deutschland und im heutigen Polen wieder aufgebaut wurde.
Anschließend besuchten wir einen Miniaturenwelt. Dort waren im Verhältnis 1:25 viele Schlösser und Kirchen Schlesien aufgebaut.
Das trutzige schlossähnliche Anwesen von Gerhart Hauptmann in Agnetendorf wurde gebührend besichtigt. Hat der Bau doch schon 1900 über 25 000 Goldmark gekostet. Der Mann verstand zu leben.

Abends war der Abschiedsabend der Gruppe. Gerührte Dankesreden von unserem Fahrer und dem von uns begeisterte Edward Nowakowski wegen der großzügigen „Kollekte„.
Am nächstem Tag ging es über Görlitz zurück nach Blankenese. Eine wundervolle Reise mit vielen Erlebnissen und Anregungen war zuende. Sicherlich haben viele von uns ihr Bild von Polen revidiert.

Text: Heiner Fosseck Fotos: Heiner Fosseck