Braunkohle und Schwarze Pumpe Oktober 2005

Die HEW, die bald in den eingängigen Namen Vattenfall Europe unbenannt wird, lud die Redakteure der Hamburger Bürgervereine zur Besichtigung des Braunkohletagebaus Welzow Süd und dem Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz bei Cottbus ein.

Nach 6 Stunden Fahrt bei strahlender Sonne und blauen Himmel kamen wir etwas verspätet in Welzow Süd in der Lausitz an.
Sofort ging es in einem wenig gefederten Mannschaftstransportbus zum Rand des 24 Quadratkilometer großen Loches des Braunkohletagebaus Welzow Süd.
Weit unten in fast 100 Meter Tiefe sah man ein gigantisches Gewirr von Baggern und Stahlbrücken und Transportbändern. Um das Loch waren 450 große Wasserpumpen, die permanent das Grundwasser abpumpen, um das Loch trocken zu halten, denn hier werden im Jahr 20 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut.
Mit dem unbequemen Gefährt geht es steil abwärts und wir kamen in respektvoller Entfernung zum Halt.

Auf vielen Eisenbahnschienen kroch langsam auf 1600 kleinen Stahlrädern ein über 600 m breites, den ganzen Kohlenflöz und das abzuräumende Deckgebirge überspannendes stählernes Ungetüm auf uns zu. Dieser 300 m lange Zug bestand aus 2 gigantischen Schaufelradbaggern, die unermüdlich und gefräßig den Abraum in die Eimerketten und auf die Transportketten schaufelten.
In dem Gewirr von Stahlträgern, Stahlbrücken, Transportbändern suchte man in den gelbgestrichenen Kommandobrücken vergeblich Menschen zu erblicken. Ein Mannschafts- und Werkzeugbahnwagon rollte als kleines Anhängsel mit und unwillkürlich suchte man hier vergeblich das Örtchen, für die sanitären Bedürfnisse. Überhaupt sah man kaum Menschen und die hätten wohl auch nur gestört. Wenn sich diese rechnergesteuerte Großtechnik plötzlich mal selbstständig machen und aus dem Ruder laufen würde, dachte man. Man fühlte sich klein neben diesen gigantischen und monströsen Maschinen, die sich Menschen ausgedacht hatten.
Auch über uns auf höheren Ebenen des Tagebaues arbeiteten Abraumbagger und transportierten in unglaublichen Mengen abgeräumtes Deckgebirge über die alles überspannende Stahlbrücke, die auch als Elbbrücke bei Dresden die Elbe überbrücken könnte, um das Material in gleichmäßigen langgezogenen Haufen fast 700 m weiter auf der von Braunkohle geräumten Seite abzuschütten..

Denn das Loch des Tagebaues wird umweltschonend wieder verfüllt und renaturiert. Da entstehen Seen und Hügel und Millionen von Bäumen und Sträuchern und Pflanzen werden gepflanzt,

Die Braunkohle wird mit Eimerkettenbaggern abgeräumt und auf Transport-bändern geht es zum Verladebahnhof, wo die Braunkohle per Eisenbahn zum Kraftwerk Schwarze Pumpe transportiert wird..

In 10 Jahren wird die Eisenbahnstrecke nach Cottbus erreicht und dann wird der Tagebau um einen festgelegten Punkt gedreht und dann wandert der Tagebau wieder zurück.
Frau Kluin von der Firma HEW, die uns zusammen mit Frau Vrielmann als unsere Reiseleiterin betreute, sorgte dafür, daß wir nicht verhungerten und verdursteten und daß wir in Cottbus ein komfortables Nachtquartier bekamen..

Am nächstem Tag ging es zum Braunkohlekraftwerk „Schwarze Pumpe.“
Vom weiten konnte man schon in der flachen Landschaft der Lausitz das 160 Meter hohe weißglänzende Kraftwerk mit den riesigen Kühltürmen sehen.
Nicht weit von hier wurde an diesem Wochenende der sakrale Bau der Frauenkirche geweiht und wir besuchten hier nicht weit vom Ort Schwarze Pumpe diese schneeweiße Kraftwerkkathedrale.

Von Kohlendreck und Staub keine Spur. Alles fast klinisch sauber. Ein 100 m hoher fensterloser Betonbau mit rundem vorgewölbtem Treppenhaus. Hoch oben schwebte eine Aussichtskanzel.

Eine kleine schwarze altertümliche Pumpe mit Schwengel war vor dem Eingang dieses Braunkohlegroßkraftwerks gestellt. Denn der eigentümliche Name Schwarze Pumpe stammt aus dem 30 jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, wo verunreinigte Wasserpumpen zur Warnung schwarz gestrichen wurden und die Namensgebung Schwarze Pumpe war nicht die Ausgeburt eines Kader des bürokratischen Sozialismus ostdeutscher Prägung.
Ein einsamer Pförtner und ein pensionierter Ingenieur empfingen uns und nach über einstündigem Vortrag mit einer Flut von technischen Daten machten wir im Galopp den Werksrundgang.

Hier in der Lausitz hatte die DDR durch die Braunkohle ihren ganzen Strom gewonnen. Deshalb war diese Region sehr wichtig und es gab hier diverse Kraftwerke und Brikettfabriken, die alle veraltet waren und auch aus Umweltgründen stillgelegt und abgerissen wurden. Es entstanden dafür Großkraftwerke, wie die Schwarze Pumpe. Der sperrige Name Vattenfall Mining & Generation ist der „neudeutsche“ Name für diese Unernehmensgruppe der Vattenfall Europa.

Durch eine schwere Tür ging es in die 120 m hohen Dampferzeugerhalle. In einem Gewirr von blauen Stahlträgern ragt 80 m hoch der Kessel für das gigantische Feuer. Es wird genährt von feinem Braunkohlestaub, der in den Kessel eingeblasen wird. Hier wird Wasser zu heißem Dampf erhitzt, der letztendlich über eine Turbine und einen Generator den Strom erzeugt. Über allem thront wie auf der Brücke eines Ozeanriesen, der Leitstand für das Kraftwerk. 3-4 einsame Männer sitzen gelangweilt vor den vielen Kontrollbildschirmen und hoffen, das nichts Außergewöhnliches passiert.Alles ist groß und gigantisch, wie die Kohlenmühlen und -trockner. Die übergroßen Luft- und Wasserrohre. Die Abluftrohre, die zu einer Elektrofilteranlage und zu einer Rauchgasentschwefelungsanlage führen. Hier wird die Abluft von Schwefel und Feinstaub gereinigt und in den beiden Kühltürmen werden die unglaublichen Wassermengen heruntergekühlt.Seit 1998 ist das hochmoderne Grundlastkraftwerk Schwarze Pumpe in Betrieb und erzeugt 1600 MW Strom. Gleich neben dem Werk wurde eine Brikettfabrik und ein Papierfabrik gebaut, die mit Prozeßwärme versorgt werden.Die Lebensdauer dieser Großanlage beträgt etwa 40 Jahre, wenn der technische Fortschritt das Werk nicht schon vorher hoffnungslos veralten läßt.
Leider hatten wir wenig Zeit, denn nach dem wir ein frugales Mahl in einem Bistro am restaurierten Marktplatz in der Altstadt von Cottbus eingenommen hatten, ging es um 15 Uhr wieder Richtung Hamburg, wo wir um 20.40 Uhr direkt vor der HEW-Zentrale wieder glücklich ankamen.

Text: Heiner Fosseck Idee: Foto: Heiner Fosseck