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Die HEW, die bald in den eingängigen Namen Vattenfall Europe unbenannt wird, lud die Redakteure der Hamburger Bürgervereine zur Besichtigung des Braunkohletagebaus Welzow Süd und dem Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz bei Cottbus ein. Nach 6 Stunden Fahrt
bei strahlender Sonne und blauen Himmel kamen wir etwas verspätet
in Welzow Süd in der Lausitz an. Auf vielen Eisenbahnschienen
kroch langsam auf 1600 kleinen Stahlrädern ein über 600 m breites,
den ganzen Kohlenflöz und das abzuräumende Deckgebirge überspannendes
stählernes Ungetüm auf uns zu. Dieser 300 m lange Zug bestand
aus 2 gigantischen Schaufelradbaggern, die unermüdlich und gefräßig
den Abraum in die Eimerketten und auf die Transportketten schaufelten. Denn das Loch des Tagebaues wird umweltschonend wieder verfüllt und renaturiert. Da entstehen Seen und Hügel und Millionen von Bäumen und Sträuchern und Pflanzen werden gepflanzt, Die Braunkohle wird mit Eimerkettenbaggern abgeräumt und auf Transport-bändern geht es zum Verladebahnhof, wo die Braunkohle per Eisenbahn zum Kraftwerk Schwarze Pumpe transportiert wird.. In 10 Jahren wird
die Eisenbahnstrecke nach Cottbus erreicht und dann wird der Tagebau um
einen festgelegten Punkt gedreht und dann wandert der Tagebau wieder zurück.
Von Kohlendreck und Staub keine Spur. Alles fast klinisch sauber. Ein 100 m hoher fensterloser Betonbau mit rundem vorgewölbtem Treppenhaus. Hoch oben schwebte eine Aussichtskanzel. Eine kleine schwarze
altertümliche Pumpe mit Schwengel war vor dem Eingang dieses Braunkohlegroßkraftwerks
gestellt. Denn der eigentümliche Name Schwarze Pumpe stammt aus dem
30 jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, wo verunreinigte Wasserpumpen
zur Warnung schwarz gestrichen wurden und die Namensgebung Schwarze Pumpe
war nicht die Ausgeburt eines Kader des bürokratischen Sozialismus
ostdeutscher Prägung. Hier in der Lausitz hatte die DDR durch die Braunkohle ihren ganzen Strom gewonnen. Deshalb war diese Region sehr wichtig und es gab hier diverse Kraftwerke und Brikettfabriken, die alle veraltet waren und auch aus Umweltgründen stillgelegt und abgerissen wurden. Es entstanden dafür Großkraftwerke, wie die Schwarze Pumpe. Der sperrige Name Vattenfall Mining & Generation ist der neudeutsche Name für diese Unernehmensgruppe der Vattenfall Europa. Durch eine schwere
Tür ging es in die 120 m hohen Dampferzeugerhalle. In einem Gewirr
von blauen Stahlträgern ragt 80 m hoch der Kessel für das gigantische
Feuer. Es wird genährt von feinem Braunkohlestaub, der in den Kessel
eingeblasen wird. Hier wird Wasser zu heißem Dampf erhitzt, der
letztendlich über eine Turbine und einen Generator den Strom erzeugt.
Über allem thront wie auf der Brücke eines Ozeanriesen, der
Leitstand für das Kraftwerk. 3-4 einsame Männer sitzen gelangweilt
vor den vielen Kontrollbildschirmen und hoffen, das nichts Außergewöhnliches
passiert.Alles
ist groß und gigantisch, wie die Kohlenmühlen und -trockner.
Die übergroßen Luft- und Wasserrohre. Die Abluftrohre, die
zu einer Elektrofilteranlage und zu einer Rauchgasentschwefelungsanlage
führen. Hier wird die Abluft von Schwefel und Feinstaub gereinigt
und in den beiden Kühltürmen werden die unglaublichen Wassermengen
heruntergekühlt.Seit
1998 ist das hochmoderne Grundlastkraftwerk Schwarze Pumpe in Betrieb
und erzeugt 1600 MW Strom. Gleich neben dem Werk wurde eine Brikettfabrik
und ein Papierfabrik gebaut, die mit Prozeßwärme versorgt werden.Die
Lebensdauer dieser Großanlage beträgt etwa 40 Jahre, wenn der
technische Fortschritt das Werk nicht schon vorher hoffnungslos veralten
läßt. |
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| Text: Heiner Fosseck | Idee: | Foto: Heiner Fosseck | ||