| Eine Fahrt nach Berlin zum Zentrum der Macht | |
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Die Hamburger Abgeordnete
der Grünen, Frau Hayduk und unser unersetzlicher Nikolaus Johann,
ermöglichten es,daß 10 Seniorennetler für 15 Euro, 2 Tage
auf Kosten des Bundespresseamtes in die Hauptstadt fahren durften. Mit dem neuesten Superzug der Bahn wurden wir in knapp 95 Minuten von Hamburg nach Berlin transportiert. Dort ging es sofort zur ehemaligen Zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Hohenschönhausen. Ein ehemaliger Häftling zeigte uns die erschütternden Haftbedingungen. Stehkarzer,Wasserzellen,gepolsterte Tobsuchtzellen im unterirdischen Zellentrakt,dem sogenannten U-Boot. Eine junge Frau einer anderen Gruppe, bekam einen Weinkrampf.Als letzter Insasse dieser Anstalt hat kurioserweise der Oberstasi Erich Mielke hier eingesessen. ![]()
Weiter ging es zum Reichstag. Vorbei an einer 200 m langen Menschenschlange ging es sofort in den Plenarsaal.Hier erwartete uns schon eine Referentin,die uns den supermodernen Reichstag erklärte. Ich beobachtete derweil eine Taube, die ungeniert auf dem teuren Glasdach über dem Plenarsaal spazierte.Oben in der Kuppel sah man einen endlosen Menschenschwarm die begehbare Kuppel hinauf wandern. ![]() Kaum
war der Vortrag im Plenarsaal beendet, wartete schon Frau Hayduk im Raum
A1 auf uns,die uns ihre Sicht der spannenden Ereignisse nach der Wahl
am 18. September mitteilte.Eine freundliche und kompetente Abgeordnete,die
dem liberalem Flügel der Grünen zugerechnet wird. Danach im
Fahrstuhl zur berühmten Glaskuppel zum offiziellen Gruppenfoto,das
man über das Hamburger Büro der GAL bestellen kann.
Raus aus dem Reichstag und im Schweinegalopp zum Bundespresseamt am Reichstagsufer.
Einstündiger Vortrag, in dem wir erfahren, daß das Bundespresseamt
Auge,Ohr und Mund der Bundesregierung ist,das mit seinen 560 MitarbeiterInnen
über 70 Millionen Euros im Jahr verschlingt.Die Zeit verrinnt, mittlerweile ist es schon 18.30 Uhr, als wir unser Hotel erreichen. Unsere Mägen hatten den ganzen Tag außer ein paar Butterstullen,die man im Laufschritt verzehren mußte, nichts bekommen. Um 19 Uhr ging es zum türkischen Restaurant Merhaba.Auf dem Rückweg versorgten wir uns an einem Kiosk mit Bier und Wein,denn in einem Hotelzimmer kamen die Seniorennetler noch einmal zusammen,um bis 23 Uhr die Erlebnisse und Eindrücke des ersten Tages in Berlin aufzuarbeiten und zu würdigen.Praktischerweise waren alle schon im Nachthemd. Am 2. Tag stand die Gruppe um Punkt 8 Uhr in der Frühe vor dem ehemaligen preußischen Landtagsgebäude..Hier begann eine 2,5 stündige Führung durch den geschichtsträchtigen Teil der Hauptstadt.Wir kamen am Ruinengelände der Prinz-Albrecht-Straße vorbei,wo die Terrorzentrale der Gestapo´und SS sich befand.Am Luftfahrtsministerium von Göring,wo sich jetzt das Bundesfinanzministerium von Herrn Eichel befindet.Hier wurde auch in einem Saal die DDR gegründet.Gegenüber war die Brache,wo sich die Führerkanzlei befand und auf dem Gelände der Reichskanzlei wird heute ein Riesenluftballon an einem Seil rauf und runter gezogen.Ein Trommelfeuer von Daten,Fakten,Anekdoten und Ereignissen prasselte auf uns nieder und wir waren froh,als wir am Gendarmenmarkt endlich in den Bus einsteigen durften, um doch in Ruhe das Mittagessen in einem Bistro in Sichtweite des gigantischen Neubaus des zukünftigen Hauptbahnhofs Berlins einzunehmen.Hier seilten sich ein paar erschöpfte Mitglieder des SnHH ab,um ihrer Wege oder angenehmer Vergnügungen nachzugehen. Aber der preußisch-standhafte Rest der Gruppe besichtigte nun das futuristische Bundeskanzleramt in der Willy-Brandt-Straße. Wer diese Gebäude mit seinen 36 Meter hohen weißen nackten Wänden und Glasfassaden beschreiben kann,bekommt von mir einen Euro. Da sind Glasflächen und ovalförmige hohe Lüftungssäulen, auf denen manchmal Bäume wachsen.Das Dach ist eine weiße Betondecke mit Solarplatten belegt. Innen weitläufige Empfangsräume und Flure mit fantastischen Ausblicken auf dem Reichstag. Ein kaum genutzterPresseraum,dekoriert mit hoher moderner Kunst. Stege und Brücken mit Reeling und 30 m breite Treppenaufgänge,wo der Hausherr hoheitsvoll herunterschreiten kann.Ein internationaler Konferenzsaal,der seit der EU-Osterweiterung schon wieder viel zu klein ist. Der Kabinettssaal ist im 6. Stock, mit seinem bekannten übergroßen ovalen Tisch ,hat eine fantastische Aussicht über dem Tiergarten zum Brandenburger Tor. Die Minister gegenüber schauen aber auf die Schallschluckschlitzwand. Ihr seht, ich habe aufgepaßt. Neben den Bundeskanzler sitzt Vizekanzler Joska Fischer und links der Leiter des Bundeskriminalamtes. Natürlich haben auch Nikolaus und ich,uns am Pult vor den Fahnen Deutschlands und der EU fotografieren lassen. Dann fuhren wir in viel zu kleinen Fahrstühlen in den Empfangsbereich ,wo an einer 15 m hohen weißen Wand die Ahnengalerie der vergangenen Bundeskanzler hängt, Gleich daneben eine Glasvitrine angefüllt mit potthäßlichen,aber massiv goldenen und kostbaren Staatsgeschenken. Am Empfang war eine übergroße Vase mit einem riesigen gelben Lilienstrauß,der einen unglaublich betäubenden Duft verströmte. Aber er war der einzige Farbklecks im weißen und grauen Ambiente dieses Hauses,das sicherlich ein ästhetisches Highlight des Architekten ist. Merkwürdigerweise scheinen in dem Bundeskanzleramt oder im Presseamt oder Reichsstag in dieser hochpolitischen Zeit kaum Menschen zu arbeiten. Außer touristischen Gruppen und Sicherheitspersonal haben wir von arbeitenden oder eilig hin und her wuselnden Menschen nichts gesehen. Im Deutschen Museum am Gendarmenmarkt sahen wir eine sehenswerte Ausstellung über parlamentarische Demokratie in Deutschland. Ein Teil der Gruppe traf ich aber statt in einem Edelschokoladenladen oder kamen aus dem Foyer des Hiltonhotels,während ich auf dem Gendarmenmarkt eine überteuerte Berliner Weiße zu mir nahm. Dann ,eilig,eilig mit dem Bus zum Bahnhof Zoo und überpünktlich kam unser Zug und nach 91 Minuten waren wir am Hauptbahnhof. |
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| Text: Heiner Fosseck | Fotos: Nikolaus Johann |