Berlinbesuch Juni 2005


Die Busfahrt war sehr angenehm und wir erreichten pünktlich unser Ziel. Sehr dankbar waren wir Herrn Kahrs, dass er uns beim Aussteigen auf die nächstgelegenen Möglichkeit zur "Erleichterung" hinwies. Wir stürmten sofort los und als wir uns wieder wohl fühlten, standen wir zu viert allein da, alle anderen SNHH-Freunde hatten sich bereits auf den Weg gemacht, die Stadt zu erkunden.

Der Hunger trieb uns in ein elegantes Einkaufscenter, dessen Geschäfte (zum Glück für unsere Geldbörsen)geschlossen hatten und wir speisten dort im Maredo zu vernünftigen Preisen. Mein Wollkommenstrunk des Gastgebers in Form eines Sherrys machte sich plötzlich selbständig und ergoss sich über deine Hose und den Pulli, wofür ich mich hiermit ganz offiziell entschuldige. Du hast mein Malheur jedoch nicht krumm genommen und betrachtetest dich als getauft, super:-)

Wir durchstreiften dann die Altstadt, freuten uns darüber, dass Renovierungsarbeiten an historischen Gebäuden hinter riesigen Folien stattfanden, die zum Einen das Baugeschehen total verbargen, andererseits aber durch ihren Aufdruck einen vollkommenen Eindruck von der Front-Ansicht des fertigen Gebäudes vermittelten.
Unterwegs hatten wir dann immer wieder das Bedürfnis, die Kacheln in gewissen Räumlichkeiten der Restaurants zu zählen und wurden insgesamt nicht müde, alles abzulaufen, wobei das Sony-Center mit seinem extravaganten Dach aus meiner Sicht den Vogel abgeschosen hatte.

Den Gang durch die Stehlen der jüdischen Gedenkstätte empfand ich als düster, denn der rohe Beton und die eigenwillige Anordnung und Form der einzelnen Elemente ließen mich erschaudern.

Als wir dann endlich nach eingehender Personen-Kontrolle in den imposanten Reichstag eingelassen wurden, war ich doch froh, nicht als "normaler" Interessierter in das Gebäude zu gelangen, denn durch unsere priviligierte Stellung, gelangten wir direkt durch den Nordeingang zur Sicherheitskontrolle und begannen unseren lehrreichen Rundgang durch die schicksalsträchtigen heiligen Hallen und Gänge und auf eine im sechsten Stock gelegene Brücke, die Besucher sonst nie betreten dürfen - und die mit der Bezeichnung "höhere Beamtenlaufbahn" belegt ist - und schauten über die Spree hinüber auf die Bibliothek des Bundestages, der angeblich größten Bibliothek der Welt, wie Herr Johannes Kahrs, MdB, sich ausdrückte.
Hier oben erfuhren wir auch, dass unter dem gesamten Regierungsviertel dreispurige Straßen mit Kreuzungen und Ampeln etc. verlaufen, um den Lieferverkehr und "sonstige Autofahrer" aus dem Stadtverkehr fernzuhalten, die sicher dann auch die 3000 vorhandenen Parkplätze nutzen.

Nach einem viel zu langen Aufenthalt in einem Konferenzraum durften wir endlich hinauf in das Objekt unserer Begierde, der Kuppel. Ich ging den spiralförmigen Aufgang zu Fuß hoch und zählte 380 Schritte, bis ich den atemberaubenden Blick auf das sonnenbeschienene Berlin genießen konnte.

Text: Lola Fernandez Fotos: Ursula Naruhn