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Ob wir bei dem
guten Wetter nicht morgen früh an die Ostsee fahren wollen,
fragte mich ein Bekannter. Natürlich, sagte ich und am
Sonnabendmorgen ging es in aller Herrgottsfrühe los.
Der
Wagen war zu meinem Erstaunen kein eleganter bequemer Mercedes, in dem
ich gemütlich dahingleitend, den lieben Gott einen guten Mann sein
lassen konnte. Nein, es war ein offener Porsche Spider. Ein Oldtimer.
Ein Kraftprotz von Automobil.
So rasten wir
in der morgendlichen Kühle auf der Autobahn mit 110 Kilometer/h dahin
und ich mußte mir von Blankenese bis Eckernförde anhören,
was der Wagen gekostet und wie PS und das er die schmale Karosserie hat
und tiefergelegt und die Felgen aus Aluminium und von dem Wagen nur 2100
Stück gebaut worden sind. Das nur so wenig Spider gebaut wurden,
sah ich ein, denn eine normale Unterhaltung war bei dem brüllenden
Motor und den noch lauter brüllenden Windgeräuschen nur schreiend
möglich. Überhaupt hatte ich fortwährend das Gefühl
ein Fön bläst mir andauernd kalte Luft in den Nacken und ich
bedauerte, das ich meinen Wintermantel nicht dabei hatte. Die Federung
war nicht vorhanden oder auf bretthart eingestellt.
Der Verkehr
auf der BAB wurde stärker und stärker und jeder Autofahrer hatte
offensichtlich das Bedürfnis an unseren Schlitten mit Karacho vorbeizudonnern,
was unsere schreiende Unterhaltung jedes Mal zum Erliegen brachte. So
kamen wir um kurz vor 9 Uhr an der Ostseeküste an und wie gerädert,
versuchte ich aus dem Auto zu steigen. Jede Frau, die aus diesem Auto
elegant aussteigen kann, ohne tiefere Einblicke zu gewähren, ist
eine absolute Dame.
Jetzt lag die
Ostsee glatt wie ein Spiegel verschlafen vor uns und im Windschatten von
einigen Strandkörben zogen wir uns um und sprangen in die See. Es
war sehr heroisch und nach einen bißchen Herumgeplantsche, rasten
wir wieder an Land und zogen uns an.
Nach der Besichtigung
von Eckernförde und Kappeln trödelten wir durch das hügelige
Angeln. Zwischendurch machten wir an einer Windmühle halt und ich
ließ mich fotografieren. Angelehnt an dem Porsche in der lässigen
Pose eines gealterten James Dean, der sich ja mit so einen Boliden allzufrüh
umgebracht hatte. Unser Bild ist leider nichts geworden,da man von Porschefahrern
in Punkto Fotografieren nicht allzuviel erwarten kann.
Ab und zu bretterten
Motorräder an uns vorbei. Der Benzingestank der Räder milderte
den intensiven Güllegestank von den Feldern. Wir irrten durch verschlafene
Dörfer, deren Namen alle mit -up und -by endeten und kamen an versteckten
Schlössern und Gutshöfen vorbei und endlich wurde Mittagsrast
im Historischen Krug in Oeversee gemacht. Das Essen prächtig und
die Preise gesalzen. Wir konnten leider nur in der prallen Sonne draußen
sitzen, da es im Lokal drinnen stark nach Katzenpipi roch.
Nicht weit von
ab, kauften wir zwei Kilo sündhaft teure Flußkrebse und dazu
mußten wir einen einstündigen Vortrag über Züchtung
von Flußkrebsen mit anschließender Besichtigung der Teichwirtschaft
über uns ergehen lassen. Ich bin jetzt Flußkrebsexperte und
weiß alles über PH-Werte und Sauerstoffanreicherung und Brandkalkung.
Zurück
wieder über die Autobahn mit den üblichen Stop und go und sonstigen
Staus. Natürlich wußten wir nur uns bekannte Schleichwege,
aber da kamen wir vom Regen in die Traufe, so daß wir erst spät
abends wieder am Laden ankamen.
Die Bitte des Porsche-Eigners
sich an der abendlichen Autowäsche zu beteiligen, habe ich mitleidslos
und undankbar mit Hinweis auf meine lädierte körperliche Verfassung
abgelehnt.
Jetzt sitze ich mit
triefender Nase und geröteten tränenden Augen und steifen Nacken
und schmerzenden Rücken am Kompi und schreibe diesen Bericht von
meiner ersten und letzten Fahrt mit einem Porsche Spider.
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