Mit dem Porsche an die Ostsee August 2005

„Ob wir bei dem guten Wetter nicht morgen früh an die Ostsee fahren wollen,“ fragte mich ein Bekannter.“ Natürlich“, sagte ich und am Sonnabendmorgen ging es in aller Herrgottsfrühe los.

Der Wagen war zu meinem Erstaunen kein eleganter bequemer Mercedes, in dem ich gemütlich dahingleitend, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen konnte. Nein, es war ein offener Porsche Spider. Ein Oldtimer. Ein Kraftprotz von Automobil.
So rasten wir in der morgendlichen Kühle auf der Autobahn mit 110 Kilometer/h dahin und ich mußte mir von Blankenese bis Eckernförde anhören, was der Wagen gekostet und wie PS und das er die schmale Karosserie hat und tiefergelegt und die Felgen aus Aluminium und von dem Wagen nur 2100 Stück gebaut worden sind. Das nur so wenig Spider gebaut wurden, sah ich ein, denn eine normale Unterhaltung war bei dem brüllenden Motor und den noch lauter brüllenden Windgeräuschen nur schreiend möglich. Überhaupt hatte ich fortwährend das Gefühl ein Fön bläst mir andauernd kalte Luft in den Nacken und ich bedauerte, das ich meinen Wintermantel nicht dabei hatte. Die Federung war nicht vorhanden oder auf bretthart eingestellt.
Der Verkehr auf der BAB wurde stärker und stärker und jeder Autofahrer hatte offensichtlich das Bedürfnis an unseren Schlitten mit Karacho vorbeizudonnern, was unsere schreiende Unterhaltung jedes Mal zum Erliegen brachte. So kamen wir um kurz vor 9 Uhr an der Ostseeküste an und wie gerädert, versuchte ich aus dem Auto zu steigen. Jede Frau, die aus diesem Auto elegant aussteigen kann, ohne tiefere Einblicke zu gewähren, ist eine absolute Dame.
Jetzt lag die Ostsee glatt wie ein Spiegel verschlafen vor uns und im Windschatten von einigen Strandkörben zogen wir uns um und sprangen in die See. Es war sehr heroisch und nach einen bißchen Herumgeplantsche, rasten wir wieder an Land und zogen uns an.
Nach der Besichtigung von Eckernförde und Kappeln trödelten wir durch das hügelige Angeln. Zwischendurch machten wir an einer Windmühle halt und ich ließ mich fotografieren. Angelehnt an dem Porsche in der lässigen Pose eines gealterten James Dean, der sich ja mit so einen Boliden allzufrüh umgebracht hatte. Unser Bild ist leider nichts geworden,da man von Porschefahrern in Punkto Fotografieren nicht allzuviel erwarten kann.
Ab und zu bretterten Motorräder an uns vorbei. Der Benzingestank der Räder milderte den intensiven Güllegestank von den Feldern. Wir irrten durch verschlafene Dörfer, deren Namen alle mit -up und -by endeten und kamen an versteckten Schlössern und Gutshöfen vorbei und endlich wurde Mittagsrast im Historischen Krug in Oeversee gemacht. Das Essen prächtig und die Preise gesalzen. Wir konnten leider nur in der prallen Sonne draußen sitzen, da es im Lokal drinnen stark nach Katzenpipi roch.
Nicht weit von ab, kauften wir zwei Kilo sündhaft teure Flußkrebse und dazu mußten wir einen einstündigen Vortrag über Züchtung von Flußkrebsen mit anschließender Besichtigung der Teichwirtschaft über uns ergehen lassen. Ich bin jetzt Flußkrebsexperte und weiß alles über PH-Werte und Sauerstoffanreicherung und Brandkalkung.
Zurück wieder über die Autobahn mit den üblichen Stop und go und sonstigen Staus. Natürlich wußten wir nur uns bekannte Schleichwege, aber da kamen wir vom Regen in die Traufe, so daß wir erst spät abends wieder am Laden ankamen.

Die Bitte des Porsche-Eigners sich an der abendlichen Autowäsche zu beteiligen, habe ich mitleidslos und undankbar mit Hinweis auf meine lädierte körperliche Verfassung abgelehnt.

Jetzt sitze ich mit triefender Nase und geröteten tränenden Augen und steifen Nacken und schmerzenden Rücken am Kompi und schreibe diesen Bericht von meiner ersten und letzten Fahrt mit einem Porsche Spider.

Text:Heiner Fosseck