"Fahrt nach Flensburg-snhh trifft snfl"

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Am Donnerstag vor Pfingsten starteten 35 Mitglieder des Senorennet-Hamburg e. V. zum langgeplanten Ausflug nach Flensburg. Die unermüdliche, tatkräftige Ilse Petersen, der heimatkundige Peter Langschoof und der bewundernswerte Joachim Amberg und viele andere SNFler haben uns ihr schönes Flensburg und die wunderschöne jütländische Landschaft an der Ostsee gezeigt.

Mit dem Zug ging es pünktlich vom Hamburger Hauptbahnhof ab und pünktlich trafen wir nach 2 Stunden Bahnfahrt im Flensburger Bahnhof ein. Wo wir schon mit Hallo von unseren Flensburger Freunden in Empfang genommen wurden. Ein Bote nimmt unsere Essensliste in Empfang. Dann enteilte eine Hälfte der Gruppe mit einem Bus in Richtung eines Schifffahrt - Museums am Flensburger Hafen, wo nach glaubwürdiger Auskunft auch hochprozentiger Rum ausgeschenkt wurde. Der sportive Teil der Gruppe wanderte per pedes in Richtung Innenstadt. Hier zeigte uns ein Stadtbilderklärer die östliche Flensburger Innenstadt, einschließlich der Bausünden der letzten 50 Jahre. In der Roten Straße wurden z. B. der rote Hof und der Sonnenhof besichtigt und man glaubte sich in eine spanische Altstadt versetzt. Am Südermarkt, vor der Nikolaikirche, war gerade Flohmarkt und leichte Auflösungs-erscheinungen der Gruppe wurden energisch unterbunden. Zum Shoppen hätte man wirklich keine Zeit. Ich fragte, nach einer gewissen Straße, von der ich mal gehört hatte, aber die wurde im Zuge der Flensburger Altstadtrevitalisierung wegsaniert. Auch fast alle Rumhandelshäuser sind weg, wie wir mit Wehmut hörten.

Am Flensburger Hafen treffen sich die Hamburger und Flensburger Freunde vor dem Gasthaus Bellevue. Nach langen Palaver, was denn nun die jeweils andere Gruppe alles versäumt hätte und bevor wir von ungeduldigen Radfahrern umgefahren oder von übergroßen Möwen bekleckert werden, stürmen wir ins Restaurant und nehmen großartige Portionen mit Pannfisch oder Schnitzel zu uns. Vor uns im Hafen pulsiert das Leben, mit Blick auf die "Skyline" der Flensburger Hafenmeile mit ihren historischen Traditionsseglern. Zwei reizende ältere Damen mit schwarzem und rotem Kompotthut, geschmückt mit Chrysanthemen, zwei Flensburger Originale, von den Freunden gesponsert, traten auf und erzählten uns in fließenden Flensburger Missingsch, was sich in der unteren besseren Flensburger Bürgerlichkeit "tut" und erklärten uns was ein "Hoppetut" (Frosch) ist und daß Stine Jensen in "Dicke Nissen" (Diakonissenheim) niedergekommen ist. Daß es in der Mönckebergstraße von Flensburg , Holm ,eine 5 Pfennig- und eine 10 Pfennigseite gibt und daß "Tante Maaß" das Flensburger Tageblatt ist, wurde auch erklärt. So gründlich in die Befindlichkeiten des hafennahen Flensburgs eingeführt, sparten wir nicht mit Applaus.

Nach einem Fototermin geht es eilenden Schrittes zum wartenden Bus, der bis auf den letzten Notsitz gefüllt, bei strahlendem Kaiserwetter an der Flensburger Förde entlang in Richtung Dänemark aufbricht. Die Grenze nach Dänemark hätten wir nicht bemerkt, wenn nicht Peter Langschoof , der uns im Bus mit Daten und Fakten fütterte, darauf aufmerksam gemacht hätte. Harrislee, Kollund. In Gravenstein liegt ein herrliches Schloß, in dem die dänische königliche Familie, ihre Sommer verbringt. Eine waldreiche hügelige jütländische Landschaft . Rechts immer wieder herrliche Blicke auf die Förde. Peter Langschoof erzählt uns eine sicher wahre Geschichte von einem Riesen, der Jungfrauen klauen wollte und dabei etwas fallen ließ, das jetzt die Ochseninseln im Flensburg-Fjord sind. Wir kommen an den Düppeler Schanzen vorbei, wo 1864 preußische Truppen die Dänen besiegten. Diese Niederlage nagt sicherlich noch am Selbstbewusstsein heimattreuer Dänen. Die alte Klappbrücke über den Alsensund passierend erreichen wir Sonderburg auf der Insel Alsen. Wir drehen eine Runde vor dem Schloß am Hafen und zurück geht es über die grandiose Hochbrücke nach Jütland. In Rinkenäs direkt am Steilufer an der Flensburger Förde liegt in einer zum Niederknien schönen Landschaft, das Cafè "Providence". Hier hat Ilse Petersen uns schon avisiert und kaum haben wir in dem stilvollen Ambiente des gepflegten Restaurants Platz genommen, werden übergroße, gehaltvolle Sahnetorten und Kaffee "satt" serviert.

Mein Gott ist das Leben schön. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Ein Teil von uns bricht anschließend zur Wanderung am Ostseestrand auf, während andere sich in den Garten setzen und wiederum andere im Restaurant über "Corel Draw" und sonstiges Computer-Rotwelsch fachsimpeln. Zurück geht es bei traumhaftem Wetter mit wolkenlosem Himmel durch das hügelige Jütland.´"In Hamburg sagt man tschüß" wird beim Aussteigen einiger Flensburger Freunde gesungen und kurz vor 19 Uhr abends erreichen wir den Flensburger Bahnhof und nach langem Herumirren und Palaver, von welchen der beiden Bahnsteige denn nun der Zug abfährt, fahren wir herzlich verabschiedet von unseren
Freunden zurück nach Hamburg, wo wir müde, matt, marode, pünktlich eintreffen. Es war ein außergewöhnlich schöner Tag, bei außergewöhnlich guten Wetter. Wir sind erfüllt von den Schönen, was wir gesehen und erlebt haben. Herzlichen Dank unseren Flensburger Freunden. Besonderen Dank an Ilse Petersen, mit der ich wohl 27 E-Mails ausgetauscht habe. Ich habe sie bewundert, wie sie das alles auf die Beine gestellt hat.
Heiner Fosseck

 

Alice Chidiac schreibt:
Ich war in der Gruppe der Museumsbesucher. Ilse Petersen empfing uns am Bahnhof und führte uns ohne Verzögerung zum Bus, der uns in das Museum bringen sollte. Sie hatte die Fahrkarten schon vorbereitet, wir mussten sie nur noch im Bus entwerten. Dann haben wir ganz vergessen, diese Fahrkarte zu bezahlen. Es war ja auch alles so aufregend. Der Besuch im Schiffahrtsmuseum mit anschließendem Rum-Museum hat mir sehr gefallen, vor allem dass es dort Hocker gab, und so konnten wir enspannt sitzend dem interessanten Vortrag der Museumsführerin lauschen. Sie erzählte uns vom dem Ursprung der Förde, die nach der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren entstand. Viel später haben sich dort die ersten Fischer angesiedelt und so langsam entwickelte sich Flensburg. Als Flensburg zu Dänemark gehörte und Dänemark die Niederländisch Antillen in der Karibik annektierte, entstand ein reger Schiffahrtshandel von Flensburg aus. Waren für die Siedler wurden in die Kolonien gebracht, sie brauchten dort eigentlich alles, um in den Kolonien zu überleben. Damit die Schiffe nicht leer zurücksegelten, wurden sie mit Rum beladen. Für den Rum wurde Zuckerrohr ausgequetscht, der Saft eingekocht und destilliert. Um die Zuckerrohrplantagen zu bewirtschaften wurden Sklaven eingeführt, denn das Klima war für die Siedler zu unangenehm zum Arbeiten. In Flensburg wurde der Rum pur mit 95 % Alkoholgehalt "verschnitten", d.h. es wurde Wasser hinzugefügt und auch etwas Zuckercoleur, um dem Geschmack der Europäer entgegenzukommen. Dieser verschnittene Rum lagerte in Eichenfässern mindestens 5 Jahre, dann war er fertig für den Verkauf. Es enstanden dadurch in Flensburg viele Betriebe, die den Rum verschnitten, lagerten und verkauften. Jetzt ist aber nur die Fima Johannsen noch aktiv und verkauft ihren Rum als Spezialität und ziemlich teuer.
Alice Chidiac

Textet:Alice Chidiac, Heiner Fosseck Organisation: Heiner Fosseck Fotos:Heiner Fosseck

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