"Kosmopolit"
Berlinreise mit der F.D.P. am 6.9.2006

berlin-fdp-reisend

Neun Monate nach Anmeldung bei der FDP, pünktlich wie nach einer komplikations-
losen, normalen Schwangerschaft, konnten neun Mitglieder des SeniorenNet Hamburg die frohe Geburt einer Informationsreise auf Kosten des Presse- und Informations-Amtes nach Berlin erleben. Mit etwa 40 weiteren informations- hungrigen Hamburgern kamen wir nach 105 Minuten mit dem ICE -in gepolsterter Holzklasse- pünktlich um 8:43 Uhr in Berlins neuem Hauptbahnhof, dem ehemals Lehrter Bahnhof, auf der untersten Ebene (3. Ebene) an. Dort wurden wir von unserem Fremdenführer empfangen, der uns durch schier endlos lange Gänge, Treppen und hallenartige Gewölbe an die Oberfläche der Stadt brachte. Die Architekten von Gerkan, Marg & Partnerhauptbahnhof aus Hamburg haben der Hauptstadt einen Bahnhof beschert, der den Namen "Hauptbahnhof" wirklich verdient. Weil der ganze Bau schon 750 Mio. Euro gekostet hat- man spricht sogar von mehr- wurde das imposante Glasdach um 300 Meter gekürzt, so dass die Fahrgäste auf der obersten Ebene und bei der Länge der Züge bei Regen im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen. Vom Bahnhof kann man das Regierungsviertel und die Kuppel des Reichstags-Gebäudes sehen, aber ich bin sicher, kein Parlamentarier, der am Bahnhof ankommt, wird den Weg dorthin zu Fuß machen. Wir aber hatten trockenes Wetter und auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof wartete unser Bus. Von dort startete die an politischen Gesichtspunkten orientierte Stadtrundfahrt.

Unser Fremdenführer, Herr Dr. Grüning, erklärte uns so viel, dass ich hier nur einige Bruchstücke wiedergeben kann, so z.B. dass die Fläche von Berlin etwa die der Insel Rügen entspricht, die Länge der Stadtgrenze etwa 234 km beträgt, Bürger aus ungefähr 200 verschiedenen Ländern in Berlin wohnen und dass es mehr als 180 verschiedene Museen und kaum zu zählende Theater gibt. Wir fuhren über den Ku-Damm, an dem sich nach einer ruhigeren Phase in den vergangenen Jahren jetzt
wieder die Geschäfte aller großen Marken angesiedelt haben. Wir fuhren über den Potsdamer Platz, einst der verkehrsreichste Platz in Europa. Dort machten wir eine kurze Pause und eine kleine Gruppe nutzte die Zeit für eine Besichtigung des SONY-Center.sonycenter Die meisten von uns waren schon ungefähr 6 Stunden auf den Beinen und hatten in der Zeit nichts zu trinken gehabt. Deshalb entspannten wir in einer der vielen Gaststätten bei Kaffee mit Stillem Wasser für 4,70 EURO bzw. bei Schokolade mit oder ohne Sahne. Die Bedienung, eine schlagfertige, junge Sächsin hatte einiges Verwirrpotential.

Ziemlich pünktlich erreichten wir nach der Fortsetzung der Stadtrundfahrt die Landesvertretung Hamburg in der Jägerstraße. --Für mich ist das das Konsulat der Freien und Hansestadt Hamburg.-- Das Gebäude ist während des Krieges einigermaßen erhalten geblieben. Es wurde vollkommen renoviert und meiner Meinung nach innenarchitektonisch hervorragend gestaltet. Das Ambiente verbindet Rustikales mit Modernem; eine gelungene Kombination! Im Keller gab es ein leckeres Zwei-Gänge-Menü, bei dem über die Geschichte des Hauses erzählt wurde. Herr Müller-Sönksen von der FDP, über den die Berlinreise organisiert wurde, hatte uns willkommen geheißen, und hier gab es auch die erste kleine politische Diskussion mit dem Abgeordneten. Danach machten wir Rundgang durch das Gebäude.

Das Kaminzimmer, das für Besprechungen im kleinen Kreise benutzt wird, hat über dem Kamin eine vollkommen leere Wandfläche. Ich machte den Vorschlag, und der wurde wohlwollend aufgenommen, dort als Blickfang ein großes Hamburger Wappen auf zu installieren. Vielleicht kann später jemand einmal berichten, ob das geschehen ist. Der Rundgang ging bis zur Dachterrasse, von der man einen schönen Blick über die Stadt hat. Danach versammelten wir uns wieder im Bus. Bis jetzt hatten wir niemand verloren und auch keinen Blinden Passagier an Bord. Unsere Fahrt ging über den Gendarmen-Markt und durch die zum neuen Leben erwachte Friedrichstraße, wo alle Nobel-Marken ihre Geschäfte wieder eröffnet haben. Hier kann man Geld ausgeben, wenn man es hat. Man sagt, manch einer bezahlt hier mit seinem "guten Namen", so weit es die Kreditkarte hergibt. Weiter geht
es. In der Französischen Straße gibt es das Borchert-Restaurant, in das man geht, um sehen und gesehen zu werden. Ein Ableger von Hamburger Original? Um die Ecke ist der Gendarmen-Markt mit dem von Schinkel gebauten Schauspielhaus, eingerahmt vom Französichen und vom Deutschen Dom. Hier gab es die legendären Aufführungen von und mit Gustav Gründgens. Der Gendarmen Markt war einst ein Exerzierplatz, jetzt ist das ein "Flanierplatz". Die Fahrt ging dann durch eine
Reihe von bekannten und unbekannten Straßen, vorbei an der Neuen Wache, wo jetzt die Deutschland- und Europa-Flagge weht. Das ist der Ort, den viele noch aus dem Fernsehen kennen und wo die Soldaten der Volksarmee so überaus zackig den Wachwechsel zelebrierten. Im Vorbeifahren sehen wir die Parteizentrale der"Grünen". Sie haben sich ganz in der Nähe der Charitè angesiedelt, wo kranke geheilt oder eingeliefert werden. Dann ging es zum Informationsgespräch ins
Ministerium für Wirtschaft und Technologie zur Scharnhorststraße. Nach der"Gesichtskontrolle" hörten wir einen hochlangweiligen, zweistündigen Vortrag von einer sehr kompetenten Referentin, den kaum einer im "Voll-Wach-Zustand" erlebt hat. Trotzdem kam eine kleine Diskussion in Gang, aber ich glaube, unsere Argumente oder die der Behörde haben weder hier noch dort Nachhaltigkeit
erzielt. Das Ministerium ist entstanden aus dem Invalidenhaus vom Alten Fritz. Zu Seiner Zeit gab es in dieser Gegend durch Krieg Verletzte, also etwas"herunter gekommene" Militärs. So ist es nicht verwunderlich, dass Wilhelm Voigt, der Hauptmann von Köpenick, mit der "Secondhand-Unform", von hier aus seinen Marsch begann und "Erfolg" hatte. Nach der Fahrt, vorbei an weiteren interessanten Objekten, ging es durch den Tunnel, der einen Teil des Tiergartens und das Regierungsviertel unterquert und die umliegenden Straßen entlasten soll. Der Tunnel ist 2420 m lang und dürfte mit Kosten von 162.000 Euro pro Meter eines der teuersten Bauwerke Berlins sein. Was sind da Baukosten in Höhe von ca. 390 Mio. Euro bei einer Verschuldung von beinahe 200 Mrd. Euro?
Das sind doch nur "peanuts". Nun hofft man, dass jeden Tag rund 55.000 Autos den Tunnel benutzen werden. Ob man da schon einmal an eine Maut gedacht hat?. Die Fahrgeschwindigkeit ist auf 50 kmh beschränkt und ich denke, damit hat jeder Autofahrer genügend Zeit, das Bauwerk gebührend zu würdigen.

Vorbei ging es am SPD-Parteihaus, am Tempodrom, an der stehen gebliebenen Ruine des Anhalter Bahnhofs, durch den ehemaligen Checkpoint Charly. Das zugehörige Museum verzeichnet mehr Besucher als das weltbekannte und -berühmte Pergamon-Museum. An der Friedrichstraße steht auf ca. 1,8 km ein Teil der Mauer, die als "Outside Galerie" bekannt ist und die von verschiedenen
Künstlern mit Grafittys bemalt wurde. Hinter dem Bahnhof Warschauerstraße hatte es zu Kaiser`s Zeiten große Industrieobjekte gegeben, z.B. Osram, Borsig. In diesem Quartier liegt die Zentrale der PDS; das müsste die Karl Liebknecht Straße sein.

Es ist natürlich, dass wir bei so vielen Informationen mit einer kleinen Verspätung zu unserem Hotel Holiday Inn kamen. Das Abendessen wartete schon, deshalb ging es nach dem Check-in und dem Frischmachen ganz schnell ins Restaurant. Nach dem Essen bummelten wir SNHHer, fit wie wir waren, ein wenig durch die Straßen. Bei Oma´s Apotheke, einer beinahe typisch Berliner Kneipe,
wurden wir schwach, aber jedem von uns wurde die richtige Medizin verabreicht. Sie reichte bis zum nächsten Morgen.

plenarsaal-bundesratEntgegen dem Programm konnten konditionsstarke Reisende ab 8:00 Uhr zum Bundesrat fahren und an einer Führung durch das historische Gebäude teilnehmen. Das ehedem Preußische Herrenhaus, während des Krieges stark beschädigt und
unmittelbar an der ehemaligen Grenze gelegen, wurde noch zu DDR-Zeiten partiel instand gesetzt. Nach dem Mauerfall und der Entscheidung des Bundesrates, seinen Sitz nach Berlin zu verlegen, wurde es renoviert und teilweise umgebaut. Zu dem Herrenhaus und den Nebengebäuden gehören so bekannte Namen wie KPM- Königliche Porzellan-Manufaktur, Bankier Abraham Meldelssohn-Bartoldy, Alexander von Humboldt, Theodor Fontane und unter anderen auch Konrad Adenauer, der als Präsident des Staatsrates in diesem Hause bis zur Auflösung 1933 tätig war.Die Wappen der 16 Bundesländer an der Stirnseite schmücken den einfach gehaltenen Plenarsaal. Je nach Größe gibt es für das Bundesland 3 bis 6
Stimmen, zusammen 69. Im Ehrenhof des Herrenhauses sind 35 große Blumenkübel aufgestellt, das ist die Zahl, die bei der Abstimmung die absolute Mehrheit bedeutet. Umgeben sind diese Blumenkübel von niedrigen Hecken und Rabatten. Diese sind mit absoluter Genauigkeit und Präzision, offenbar mit Zentimetermaß, Winkelmesser, Theodolit, Nivelliergerät und Horizontal-Laser angelegt. Der Gärtner, der diesen Garten pflegt, muss mindestens 4 Semester Mathematik und
Vermessungstechnik studiert haben, sonst könnte er diese exakte Aufteilung nicht so in Szene setzen.

Aus den 3 Oberlichten in der Wandelhalle hängen überdimensionalewandelhalle-bundesrat
"Mikadostäbe", genannt "Die drei Grazien", die zu "tanzen" beginnen, wenn die Bewegungsmelder Bewegungen im Raum registrieren. Es ist eine Installation der bekannten Künstlerin Rebecca Horn, und die soll zurückgehen auf die "Drei Grazien" aus der griechischen Mythologie. Ich stelle mir aber unter einer Grazie etwas anderes vor.

Nun ging es weiter in Richtung Reichstagsgebäude. Vor dem Reichstag warteten viele Menschen auf Einlass, die alle das Gebäude besichtigen wollten. Wir wurden an der langen Menschenschlange vorbei geführt und unsere privilegierte Gruppe wurde nach dem Sicherheits-Check ohne Wartezeit eingelassen. Das Haus war voller Besucher und wir wurden durch die Menschenmassen zur Zuschauertribüne geführt, um dort eine Bundestagsitzung "live" zu sehen und zu hören. Bei der Bundestag-Debatte ging es um Politik, die die Familien betreffen.

Leider mussten wir Fotoapparate an der Garderobe abgeben und so kann ich vom Plenarbesuch nur einige Namen nennen von Abgeordneten, die ich kenne und von meinem Platz habe sehen können : Frau Merkel und Herrn Müntefering mit geschientem Bein ganz kurzzeitig, Frau von der Leyen, Herrn Seehofer, Frau Haiduk und Frau Blumenthal als Abgeordnete aus Hamburg. Die Redner werden von
den Saaldienern, die mit schwarzem Frack, weißem Hemd und Querbinder von hinten aussehen, wie Pinguine, mit jeweils mit einem Glas Wasser versorgt, wobei einer der Diener mir auffiel, der das Glas Wasser mit der einer Grazie servierte und auch noch so aussah, wie der Butler James aus dem unübertroffenen Sketch: "Dinner for One".

Nach ca. einer Stunde sollte die Diskussion im Fraktionsraum der FDP beginnen. Auf dem Weg dort hin hatten wir, eine kleine Gruppe vom SNHH-Mitgliedern, den Anschluss zu unserem Führer verloren, wurden aber bald wieder im Gewimmel der Besucher eingefangen und in den Fraktionsraum der FDP geleitet. Neben Herrn Müller-Sönksen stand ein Großaufgebot von weiteren 4 FDP-Abgeordneten, manchmal im fliegenden Wechsel, für die Diskussion zur Verfügung. Je nach Fachgebiet antworteten Frau Dyckmans und Frau Dr. Happach-Kasan sowie Herr Meinhardt und Herr Dr. Schily auf unsere Fragen. Auf die politischen Fragen und Antworten will ich hier nicht eingehen. Die muss jeder Teilnehmer für sich selbst werten.kuppel

Wie immer war die Zeit für eine ausführliche Diskussion zu knapp, denn wir mussten pünktlich zum Fototermin auf der Dachterrasse des Reichtag-Gebäudes erscheinen. Das Erinnerungsfoto, oder ist das ein Alibi-Foto für das Presse- und Informationsamt(?) sollen wir in den nächsten Tagen erhalten. Dann erfolgte die Besichtigung der Glaskuppel und der Aufstieg. Ich möchte nicht wissen, wie viele Statiker daran gerechnet haben. Eine tolle Konstruktion!! Es ist ein Anziehungsmagnet erster Klasse und man hat von da oben einen einmaligen Ausblick über die ganze Stadt! Im digitalen Zeitalter wurden hier sicherlich einige tausend von Fotos geschossen. Früher
hätte ich gesagt: mehrere hundert Meter Film wurden verknipst. Und das alles bei herrlichem Sonnenschein. Das Mittagessen am frühen Nachmittag in Form von Lunchpaketen war sehr willkommen, denn wir hatten bei dem prall gefüllten Programm vom Frühstück bis jetzt noch nichts gegessen. Essend und trinkend, auf der Fahrt zum Auswärtigen Amt, laufend von unserem Fremdenführer unterrichtet über Straßen, Plätze, Gebäude und alle möglichen politischen und historischen Fakten, wurden wir wieder nach der obligatorischen "Gesichtskontrolle" eingelassen. Im Flur vor dem Informationsraum roch es wunderbar nach Kaffee und ich glaube, jeder von lechzte nach einer Tasse Kaffee. Die gab es erst nach dem Vortrag. Wir hörten bei einem interessanten Vortrag, dass die Bundesrepublik Deutschland in rund 220 Ländern diplomatisch vertreten ist. Die Vertretungen helfen, wenn ein Bundesbürger im Ausland in Schwierigkeiten gekommen ist. Ferner gibt das Auswärtige Amt Reisewarnungen heraus, aber erst, wenn schon etwas passiert ist!!??

Nach dem Vortrag stürmten alle ausnahmslos zum Kaffee. Eine Wohltat und die müden Geister wurden wieder geweckt. Das war auch nötig, denn das Informations-Programm war doch ganz schön komprimiert und anstrengend. Schon mit dem Gedanken an die Heimfahrt ging es wieder mit dem Bus vorbei an historischen Objekten und Plattenbauten zum Abschiedsessen ins Restaurant Cum
Laude, einen Steinwurf entfernt vom Deutschen Historischen Museum und der Neuen Wache. Nach dem Abendessen, gesättigt und zufrieden stiegen wir frühzeitig in den Bus, der uns zum Hauptbahnhof brachte. Einen Blick für das wahrlich gigantische Bauwerk hatte wohl keiner von uns mehr. Unser Zug kam pünktlich, wir stiegen ein aber die Ankunft in Hamburg verspätete sich gewaltig. Kein Problem, denn auf der Fahrt gab es noch jede Menge zu erzählen. In Hamburg angekommen und mit vielen Eindrücken und Informationen im Kopf verabschiedeten wir uns von einander. Es war eine tolle Informationsreise.

Die Frage, ob jemand durch diese Reise neue politische Erkenntnisse gewonnen hat, muss sich jeder selbst beantworten.

An dieser Stelle möchte ich mich, auch im Namen der SNHH-Mitglieder, die diese Reise haben mitmachen dürfen, ganz herzlich bei den Veranstaltern bedanken und mit einem besonderem Lob für Herrn Dr. Grüning, der uns 2 Tage lang hervorragend informiert und uns die Stadt erklärt hat, meine Reminiszenz beenden.

schloss charlottenburg

Fazit: Berlin ist eine faszinierende Stadt!!!!

Nikolaus Johann

(nebenstehend Schloss Charlottenburg, im Vorbeifahren aufgenommen)

 

 

 

 

 

Text: Nikolaus Johann Organisation: Nikolaus Johann Fotos:Nikolaus Johann

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