Mecklenburg mit dem Rad vom 13.-16.04.04
Von Heiner Fosseck
Als geborener Mecklenburger fahre ich jedes Jahr mindestens einmal ein paar Tage mit dem Rad durch Mecklenburg.
Angefangen bin in Waren am Müritzsee und dort habe ich eine recht kühle Nacht überlebt. Stundenlang habe ich die Elektroheizung laufen lassen und am nächsten morgen war die Stromrechnung fast höher als der Übernachtungspreis.
Ein kühler Südost ließ mich im Wald des Nationalpark sehr frösteln, obwohl ich kräftig in die Pedalen trat. Hier war früher Sperrgebiet und die glorreichen Generonten der verflossenen DDR schossen hier ihre Böcke und hatten feudale Jagdhütten.
Im Gegensatz zum übrigen Teil Deutschlands war hier der Frühling noch sehr weit zurück. Die Bäume und Sträucher zeigten nur ansatzweise etwas grün. Aber es tat gut durch die einsamen Wälder zu radeln. Das Schloß Speck dämmerte hinter Maschenzäunen dem entgültigen Verfall entgegen. Ein neu erbauter Brettersteg führte durch den Schilfgürtel an den Speckersee und ich sah träumend auf den stillen See hinaus, bis ich von einer großen Busladung von Damen und Herren aufgeschreckt wurde und fluchtartig dies Paradies verließ.
Unglaublich viele Seen und Buchenwälder,Moore,Kieferheiden,dicke knorrige Eichen und bunte Wiesen. Hier sind die Quellgebiete von Peene und Havel und die größeren Seen sind mit Kanälen und Schleusen verbunden.
Schreiende Reiher und trompetende Gänse, überall richtete die Tierwelt sich auf den nahenden Frühling ein. Einige Rehböcke flüchteten mir über den Weg und ich war dankbar, daß sie mich nicht umrannten.
Viele Schlösser und feudale Gutshäuser lagen versteckt hinter dichten alten Baumbestand.Viele sind sehr aufwendig wieder hergerichtet, wie das Schloß Prillwitz am See Lieps, wo ich auf der Schloßterrasse fürstlich bewirtet wurde.Hier ist auch eine Kormorankolonie, die den Fischern die Fische klauen, aber gesehen habe ich keine Kormorane.
In Neustrelitz am Zierkersee habe ich mich über eine Stunde mit einem gleichaltrigen Herren über die alte DDR und den damaligen Zuständen unterhalten. Es war nicht alles schlecht in der DDR gewesen, meinte er und ich fragte zum Schluß, wie viel Jahre Zuchthaus ich bekommen hätte, wenn dieses Gespräch 20 Jahre früher statt gefunden hätte. "10 Jahre Zuchthaus", gab er zurück. Dabei hatten wir ein ganz normales Gespräch.
Neubrandenburg hat noch seine Stadtmauern und die berühmten 4 Tore, alles andere ist beim Einmarsch der Russen 1945 zerstört worden.Etwas gesichtslos ist Neubrandenburg wieder aufgebaut und man sah viele Geschäfte leer stehen.
Auf dem Weg nach Waren zurück, kam ich durch den Geburtsort von Heinrich Schliemann, wo vor einem einsamen Museum ein großes trojanisches Pferd auf Besucher wartet.
Erstaunlich viel bergauf und bergab hatte ich mit meinem Drahtesel zu bewältigen und es war noch recht kühl , auch tagsüber und doch war die Radtour ein gutes Erlebnis, mit vielen schönen und neuen Eindrücken.
SeniorenNet Hamburg
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