Im
Herzen des Fürstentums von Anhalt liegt Wörlitz mit dem wunderschönen
und wohl bedeutendsten englischen Landschaftspark in Europa.
Dieses Reiseziel ist
eine Kombination von Geschichte und landschaftlicher Schönheit. Deswegen
habe ich mir diese Reise ausgesucht.
10.10.
Mit dem
Hansataxi wurde ich um 8.30 Uhr abgeholt und zum Bus am Bahnhof ZOB gebracht.
Abfahrt 9 Uhr, der Bus ist voll besetzt, ich habe eine nette Nachbarin.
Die Sonne scheint, die Fahrt geht los.
Zunächst geht
es auf der A 24 Richtung Schwerin, beim Rasthaus Stolpe gab es eine Frühstückspause.
Wir bekamen eine kleine Flasche Sekt und eine Wundertüte mit belegten
Broten, 1 Frikandelle, Obst und Schokolade. Die ersten Gespräche
fanden statt. Wir sind alle wohlgestimmt. Weiter geht die Fahrt durch
Brandenburg und die Altmark. Es ist eine sehr schöne Landschaftsfahrt.
In Tangermünde
habe wir zwei Stunden Mittagspause, Zeit genug, um einen Rundgang durch
die kleine, mittelalterliche Stadt zu machen und die ersten Fotos zu schießen.
In der Gaststube Exempel, die früher mal eine Schule war, sitzen
wir auf Schulbänken, die für uns viel zu klein sind. An der
großen Tafel werden Speisen und Getränke angeboten. Ich entscheide
mich für flüssige Nahrung, und zwar einem Kuhschwanz-Bier und
einem Exlepäng, der mit einem Zinnlöffel serviert wird. In der
Speisekarte wird erklärt, warum das Bier Kuhschwanz-Bier heißt.
Früher entnahmen die Brauer das Wasser für ihr Bier aus der
Tanger. Doch auch Kühe benutzten die Tanger als Tränke und so
kam es
vor, dass bei der Entnahme für das Bier wohl auch mal ein Kuhschwanz
im Wasser war. Das ist aber heute nicht so, wie uns versichert wurde.
Weiter geht die Fahrt
durch mit Bäumen bestandenen Alleen. Der Fahrer erklärt uns,
dass er mit Absicht einen Umweg macht, damit wir auch was von der Landschaft
sehen. Wir sind begeistert.
Um 16.30 erreichen wir Wörlitz. Unser Quartier ist das Landhaus Wörlitzer
Hof, direkt am Park gelegen. Es ist ein modernes Hotel, die Zimmer sind
hell und geräumig, Dusche/WC und TV. Um 18.30 Uhr treffen wir uns
im Speisesaal zum Abendessen. Wir werden von der Hotelchefin, Frau Miertsch,
freundlich begrüßt. Dann wurde das Drei-Gänge-Menü
serviert, als Hauptgericht gab es Wildgulasch mit Klößen, sehr
schmackdhaft. Nach dem Essen habe ich noch einen kleinen Verdauungspaziergang
gemacht. Wörlitz ist zwar eine Stadt, aber sehr klein und irgendwie
gemütlich.
11.10.
Den Vormittag
haben wir zur freien Verfügung. Also mache ich den ersten Spaziergang
in den Park, auch wieder bei Sonnenschein, auch wenn ein kalter Wind weht.
Ich habe mir einen Lageplan besorgt und gehe auf Entdeckungen. Der Fürst
Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau hat hier eine wunderschöne
Anlage geschaffen (von 1764 bis kurz nach 1800), viele verschiedene Bäume,
einige leuchten schon herbstlich rot, große Wiesen, Blumrabatten,
hie und da ein schönes Gebäude, mal griechisch, mal italienisch,
mal im Tudorstil, dazu viele Kanäle und Brücken. Jede Brücke
ist anders. Der See ist ziemlich groß und wird durch Kanäle
mit einem kleineren See verbunden. Der Fürst Franz, wie er genannt
wurde, ist viel gereist und hat hier seine Erinnerungen lebendig werden
lassen. So zum Beispiel auf der Insel Stein. Dort hat er sogar den Vesuv
nachbauen lassen. Doch der wird zur Zeit renoviert. Nächstes Jahr
soll er sogar wieder Feuer spucken.
Baumeister aller
klassizistischen Bauten in Wörlitz und im gesamten Gartenreich war
Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, ein Freund des Fürsten.
Auf dem Rückweg
habe ich eine Fähre über den See benutzt, um den Weg abzukürzen.
Die Fähre wird mit Seilwinden über den See gezogen.
Nach einer Mittagspause
treffen wir uns wieder um 15 Uhr. Eine Gondelfahrt über den See und
durch die Kanäle wird uns angeboten. So können wir den Park
auch von der Wasserseite bewundern. Es ist romantisch. Der Gondoliere
erzählt uns während der Fahrt einige Geschichten über den
Fürsten Franz, der beim Volk sehr beliebt war. Im Zeitalter der Aufklärung
hat er dafür gesorgt, dass die Kinder zur Schule gehen, die Eltern
Arbeit haben und in gesunden Häusern wohnen.
Nach dem gepflegten
Abendessen werden wir eingeladen zu einem Video-Vortrag über das
Gartenreich Wörlitz-Dessau. Nun sind wir bestens informiert.
12.10.
Heute lernen
wir das Gartenreich besser kennen. Frau Gerds, unsere Gästeführerin,
erzählt uns mit viel Begeisterung von ihrer Heimat. Das ganze Fürstentum
wurde zu einer gestalteten Kulturlandschaft.in den Elbauen zwischen Elbe
und Mulde Es gibt Rokoko-Gärten, Waldgärten, englische und niederländisch-barocke
Gärten, auch einen chinesischen Garten gibt es. Dazwischen immer
wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch diese wurden aufgelockert
mit Solitair-Eichen, die die Bauern nicht abholzen durften.
Dann kommen
wir nach Oranienbaum, einer barocken Stadt mit Schloss.
Oranienbaum.
Das großartige
Ensemble von Schloss, Park und Stadt entstand Ende des 17. Jahrhunderts
und ist weitgehend erhalten. Während des Rundgangs erzählt uns
Frau Gerds von den künstlerischen Auswirkungen der dynastischen Verbindungen
des Fürstenhauses Anhalt-Dessau mit den Niederlanden. Den heute auf
der Welt einzigartigen englisch-chinesischen Garten im Norden des Schlossparks
ließ Fürst Franz Ende des 18. Jahrhunderts anlegen.
Bis heute haben
sich im ländlichen, durch niederländischen Einfluss geprägten
Ort die Grundstrukturen der Stadtgestaltung erhalten. Auf dem quadratischen
Marktplatz am südlichen Ende der Querstraße erhebt sich die
1712 geweihte Stadtkirche. Inmitten des Platzes steht eine Sandsteinvase
mit schmiedeeisernem Orangenbaum. Die Orange ist das Symbol der Oranier.
Im Jahre 1659 hatte Fürst Johann Georg II. von Anhalt- Dessau (1627-
1693) die Prinzessin Henriette Catharina von Nassau-Oranien (1637- 1708)
geheiratet.
In Oranienbaum
entstand ein dreiflügeliges Schloss, später sind dann Kavalierhäuser,
Wirtschaftsgebäude und Stallungen in Fachwerkkonstruktion angefügt
worden. Große Teile des Schlosses werden
gegenwärtig renoviert, so dass eine Besichtigung
nicht möglich war, nur einen mit Delfter Kacheln dekorierten Raum
im Souterrain des Schlosses konnten wir besichtigen..
Von der weitläufigen
Parkanlage am Schloss Oranienbaum konnten wir nur durch die von Hecken
gerahmten Rasengevierte des Gartenparterres und durch den chinesischen
Garten spazieren gehen. Dieser "Chinesische Garten" blieb bis
heute fast unverändert erhalten. Wasserläufe und Brücken
gliedern das Terrain. Die Anlage, auch eine Pagode und das Gartenhaus,
entstanden unter dem Einfluss des Engländers Sir William Chambers.
An der Orangerie
sind wir nur vorbeigefahren. Bis zu 550 Orangenbäume überwintern
hier. Jeden Sommer werden die Kübelpflanzen im Park aufgestellt.
Dann fuhren
wir zurück zum Hotel. Da wurde uns Kesselgulasch serviert. Um 15
Uhr fuhren drei Kremserwagen, jeweils mit zwei Pferden bespannt, auf den
Marktplatz. Wir bestiegen die Karren, nahmen Platz auf den Bänken
und wickelten uns warm ein mit Decken, die uns der Kutscher gab. Dann
fuhren wir hoppla-hopp erst durch die Stadt und dann in die
Elbauen. Es war sehr kalt. Wir waren froh, als wir durch einen Wald fuhren,
der uns vor dem eisigen Wind schützte. Nach ca. 30 Minuten wurde
auf einer Wiese Halt gemacht und wir bekamen Glühwein zum Aufwärmen.
Die Rückfahrt war dann sehr lustig.
Nächster
Programmpunkt: die Kirche St. Petri von Wörlitz. Der Küster
empfing uns und erklärte uns die Schönheiten seiner neugotischen
Kirche. Im Turm befindet eine Dauerausstellung von einer Bibelgesellschaft.
Wir kletterten die 240 Stufen hinauf bis zur Aussichtsplattform. Wir bewunderten
die schöne Aussicht auf Stadt Wörlitz und Park und kletterten
dann vorsichtig die Wendeltreppe wieder hinunter. Mir zitterten die Knie!
Das Hotel lag
schräg gegenüber und so konnten wir uns noch einen Moment ausruhen,
bis es Zeit zum Abendessen war.
Nach dem Abendessen
wurden wir eingeladen zu einem Unterhaltungsprogramm Von Dessauer
Köpfen und Töpfen. Unsere charmante Frau Gerds spielte
eine Landfrau und ein anderer Gästeführer spielte den Hobusch,
ein Dessauer Original.
13.10.
Gleich nach
dem Frühstück fuhren wir zum Luisium Landschaftspark bei Dessau.
Dort wanderten wir durch die kleine und intime Anlage zum Schlösschen,
das wir besichtigen konnten. Das klassizistische Schlösschen widmete
Fürst Franz seiner Gemahlin Louise. Die Innenausstattung ist noch
weitgehend im Original. Es war alles sehr hübsch.
Wir fuhren zurück
nach Wörlitz, wo uns Frau Gerds durch den Wörlitzer Park. führte.
Sie zeigte uns romantische Ecken, die ich auf meinem Spaziergang am ersten
Tag meines Aufenthaltes nicht gefunden hatte. Es gab eine Eremitenklause,
die nur durch Tunnel zu erreichen war. Den Venustempel konnten wir aus
der Nähe betrachten. Das Motto des Fürsten Franz war Schönes
sollte nützlich sein und so waren die klassizistischen und
neugotischen Gebäude im Park nicht nur Staffage, sondern dienten
den unterschiedlichsten Zwecken, sei es zur Unterbringung von Kunstschätzen
und Sammlungen, sei es als Aufbewahrungsort für Gerätschaften
oder Pflanzen, als kulturhistorisches und technisches Anschauungsmaterial
oder auch als Wohnstätte für Gärtner und Wachpersonal.
Die Verehrung der Antike ist in Wörlitz überall gegenwärtig.
Ob englischer Gartensitz, Venustempel, Pantheon, Floratempel, Nymphaeum
oder Synagoge, vieles erinnert an Italien und England. Stand die Antike
für das Schöne und Vollkommene, galt das Gotische als Symbol
von Freiheit und Naturverbundenheit.
Am Nachmittag
hatten wir dann noch eine Führung durch das Wörlitzer Schloss.
Dieses klassizistische
Gebäude diente dem Fürsten Franz als Sommerresidenz. Von seinen
zahlreichen Reisen brachte der Fürst viele Antiken und Gemälde
mit, die sich im Inneren befinden. Für damalige Verhältnisse
hatte das Haus eine ganz moderne funktionale Einrichtung mit Wasserleitung,
Wandschränken und gusseisernen Öfen. Die Einrichtung aus dem
18. Jahrhundert ist zum größten Teil im Original erhalten und
wurde auch von der Sowjetarmee nicht als Beutegut fortgetragen.
Ab 16 Uhr hatten
wir Freizeit, die ich zum Besuch der Hotelsauna nutzte.
14.10.
Ausflug
nach Wittenberg, das ja nicht weit von Wörlitz entfernt ist.
Hier erwartete
uns eine andere Gästeführerin, die uns durch diese kleine aber
geschichtsträchtige Stadt führte.
Wittenberg,
erstmals 1183 urkundlich erwähnt, diente seit Ende des 15. Jahrhunderts
als kurfüstliche Residenz Friedrichs des Weisen. Seine kluge Politik,
die 1502 gegründete Universität, das Wirken Luthers und anderer
Reformatoren führte dazu, dass die Stadt an der Elbe Zentrum geistigen
Lebens in Europa wurde. Bis weit über das Jahrhundert hinaus bewahrte
sich Wittenberg eine bedeutende Rolle in Kirche, Wissenschaft und Kultur
und präsentiert sich seit 1938 offiziell als die Lutherstadt.
Als Mönch und
Professor lebte Martin Luther seit 1511 ständig im Augustiner-kloster
am Ostende der Stadt. Nach seiner Heirat 1525 erhielt er das Gebäude
vom Kurfürsten geschenkt. Noch heute ist sein Wohnzimmer im Original
erhalten.
Bei einem Bummel
durch die Altstadt, in der die steinernen Zeitzeugen wie Perlen aneinander
gereiht sind, kommt man geradewegs zur Schlosskirche mit der weltberühmten
Thesentür und den Gräbern Luthers und Melanchthons, zu den Höfen
des Meisters Cranach, zur Stadtkirche mit dem eindrucksvollen Cranach-Altar
und zu den Häusern von Dr. Martin Luther und Prof. Philipp Melanchthon.
Die Wittenberger Altstadt: ein einzigartiges Freilichtmuseum, um Weltgeschichte
zu erleben.
Nach dieser
reichlichen geistigen Nahrung wurden wir ins Brauhaus eingeladen zu einem
Mittagsimbiss. Dort gab es auch Bier, wie es damals gebraut und getrunken
wurde, es ist trüb. Mir hat es nicht sonderlich geschmeckt.
Danach hatten
wir noch Freizeit, die ich zu einem Bummel durch Straßen nutzte,
die nicht Teil der Stadtführung waren. In einem Geschäft in
einem Cranach-Haus kaufte ich mir 18 Kunstkarten Lucas Cranach .d.Ä.
Die Galerie der Schönheiten. Evtl. mache ich mir daraus
einen Kunstkalender für 2005.
Auf der Rückfahrt
nach Wörlitz fuhren wir noch am Luther-Gymnasium vorbei, das durch
den Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser 1999 umgestaltet
wurde. Es ist sehr bunt.
Um 16 Uhr waren
wir wieder in Wörlitz und ich konnte noch einmal die Hotel-Sauna
benutzen.
15.10.
Koffer packen
und zum Bus bringen. Die Heimreise beginnt. Frau Gerds begleitet uns noch
bis Dessau und wird uns durch die Stadt führen.
Die Stadt wurde
im letzten Krieg weitgehend zerstört, weil dort die Junckers-Werft
angesiedelt war und Flugzeuge für den Krieg baute. Die Werft wurde
aber nicht getroffen. Die Stadt ist sehr schön wieder aufgebaut,
es gibt ein großes Einkaufszentrum in der Nähe der Marienkirche.
Hauptanziehungspunkt ist aber das Bauhaus.
Das Bauhaus,
1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet, war Deutschlands berühmteste
Kunst- und Designeinrichtung der Klassischen Moderne. Die zwischen 1919
und 1933 am Bauhaus entstandenen Arbeiten haben weltweit das Verständnis
von Architektur und Design beeinflusst. Das Bauhausgebäude in Dessau
wurde 1925/26 nach Plänen von Walter Gropius gebaut, nachdem die
Schule ihren Gründungssitz Weimar aus politischen Gründen verlassen
hatte. Das Bauhausgebäude und die zeitgleich entstandenen Meisterhäuser
sind immer noch bedeutend für Architektur und Design im 20. Jahrhundert.
1945 wurden die Gebäude teilweise zerstört und konnten erst
1976 denkmalgerecht rekonstruiert werden. Im gleichen Jahr wurde das Wissenschaftlich-kulturelle
Zentrum (WKZ) gegründet und mit dem Aufbau einer Bauhaus-Sammlung
begonnen. 1994 wurde die Stiftung Bauhaus Dessau gegründet. Sie verfolgt
zwei Ziele: das Erbe des historischen Bauhauses zu bewahren und der Öffentlichkeit
zu vermitteln und angesichts dieses Erbes Beiträge zur Gestaltung
der heutigen Lebensumwelt zu leisten.
Nach der Besichtigung
wurde ich zum Bahnhof gebracht, denn hier wollte ich die Gruppe verlassen
und weiterfahren nach Dresden, wo ich meinen Sohn und seine Familie besuchte.
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