Eine Segelreise rund um die Kanaren im Februar 2003
Von Heiner Fosseck

37 Männlein und Weiblein gingen im Segelhafen von Las Palmas an Bord des 2-Mast-Schoners "Johann Smidt". Das 38 m lange Schiff hat eine Segelfläche von 536 qm und gehört dem deutschen Jugendwerk zur See in Bremen. Meine Frau und ich wurden als Deckshand angeheuert. Der Altersdurchschnitt der Besatzung war 62,8 Jahre.

Gleich am nächstem Morgen ging es los in Richtung Fuerteventura. Der Wind kam aus Nordost und war der gleiche Passatwind, der Kolumbus in die Karibik geweht hatte. Für uns bedeutete das, dass wir gegenan kreuzen mussten. Er blies mit Windstärke 6 - 7, so dass die halbe Besatzung mit gelb-grünen Gesichtern im Lee über der Reeling hingen oder, wie der Koch, gleich wieder in der Koje verschwanden.
Ich hatte Backschaft. Das ist die gleiche Tätigkeit, die in den Hotels adrette junge Mädchen mit weißen Häubchen ausüben. Auch musste ich für den ausgefallenen Koch einspringen. Das Essen kam tatsächlich pünktlich auf dem Tisch. Leider wurden meine Kochkünste nicht entsprechend gewürdigt und ich musste einen großen Teil wieder über Bord geben.
Vor Morro Jable gingen wir vor Anker, da der Hafen keinen Liegeplatz für uns hatte. So kamen wir weiter in den Genuß der üblen Schaukelei. Frühmorgens begehrte eine große Fähre Ausfahrt aus dem Hafen und wir mussten schleunigst ankerauf gehen und segelten in Richtung Lanzarote. Hier war auch keine Landemöglichkeit, aber wer wollte, wurde mit einem kleinen Schlauchboot völlig durchnässt an Land gesetzt. Nach einem 1,5-stündigen Fußmarsch erreichten wir Playa Blanca. Hier wurde endlich richtig gespeist und anschließend im Internetcafe E-mails gelesen.
Zurück an Bord ging es auf einen 137 Seemeilen langen Törn nach Santa Cruz auf Teneriffa. Das dauerte 20 Stunden.
Im Bug des Schiffes gab es 12 Kojen, eine davon wurde mir zugeteilt. Dort schlug der schlecht gehievte Anker an die Bordwand. Es hörte sich an, als wenn man in einer Gesenkschmiede bei Blohm & Voss war. Ich war wie gerädert, als ich von 2-4 Uhr Seewache gehen musste. Meine wichtigste Tätigkeit war, die zahlreichen Bierflaschen wegzuräumen, die von der Freiwache geleert worden waren.
In Teneriffa sah ich zum erstem Male wieder meine Frau, die sehr derangiert war. (Die Frauen hatten mittschiffs eine separate Unterkunft.) Wir machten eine Inselrundfahrt und fühlten uns wohl. Auch die 101 Seemeilen nach La Palma machten uns nichts mehr aus, da der Wind von Steuerbord achtern kam und wir schnelle Fahrt machten. Santa Cruz auf La Palma ist eine Hafenstadt mit schönen alten Häusern. Hier wurden wir vom Club Nautico in einem alten Palast eingeladen und mit Rotwein und Zigarren sowie kleinen Snacks versorgt. Wir revanchierten uns mit lieblichen Seemannsgesängen. Die Spannbreite ging von La Paloma bis Madagaska, wo die Pest an Bord war. Die Spanier waren peinlich berührt, so dass wir den Club Nautico verließen und unser Gelage in einem Straßencafe fortsetzten.
Wir segelten bei gutem Wind weiter in Richtung Gomera. Hier wurde wieder eine Inselrundfahrt organisiert. Die meisten blieben an Bord und schliefen sich endlich mal aus.

Für die 34 Meilen zurück nach Los Christianos an der Südküste von Teneriffa, mehr ein Ort für die Verbannung von Seeräubern als ein Seebad, brauchten wir 13 Stunden. Abends ankerten wir und beobachteten durch die Ferngläser das Treiben am Strand. Ein sagenhaft kitschig-roter Sonnenuntergang und ein herrlicher Sternenhimmel, mit deutlich zusehender Milchstraße, ließ die Hundewache zum Erlebnis werden.
Der Törn nach Porto Mogan auf Gran Canaria war sehr unruhig und das organisierte Erbrechen war wieder angesagt für einen großen Teil der Mannschaft. Im Hafen von Porto Mogan, einem lieblichen Segelhafen, wurde die überschäumende und lautstarke Überlebensfreude durch die Hafenpolizei getrübt. Sie zeigte uns ein mehrsprachiges Phamplet, dass wir bei Strafe von 500 Euro endlich Ruhe halten sollten. Die Party wurde dann unter Deck in der Messe fortgesetzt.
Dramatisch große Wellenbrecher und Windstärken bis 9 machten es uns am letzten Segeltag schwer, die nördliche Halbinsel bei Las Palmas zu umrunden. Eine Stunde brauchten wir, bis der Schoner seinen Liegeplatz erreichte und festvertäut am Pier lag. 14 Tage waren 37 Leutchen auf engstem Raume zusammengepfercht und alles ging gut, wenn man von dem zerfetzten Großsegel einmal absieht.

SeniorenNet Hamburg e.V.
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