|
37 Männlein und Weiblein gingen im Segelhafen von
Las Palmas an Bord des 2-Mast-Schoners "Johann Smidt". Das 38
m lange Schiff hat eine Segelfläche von 536 qm und gehört dem
deutschen Jugendwerk zur See in Bremen. Meine Frau und ich wurden als
Deckshand angeheuert. Der Altersdurchschnitt der Besatzung war 62,8 Jahre.
Gleich
am nächstem Morgen ging es los in Richtung Fuerteventura. Der Wind
kam aus Nordost und war der gleiche Passatwind, der Kolumbus in die Karibik
geweht hatte. Für uns bedeutete das, dass wir gegenan kreuzen mussten.
Er blies mit Windstärke 6 - 7, so dass die halbe Besatzung mit gelb-grünen
Gesichtern im Lee über der Reeling hingen oder, wie der Koch, gleich
wieder in der Koje verschwanden.
Ich hatte Backschaft. Das ist die gleiche Tätigkeit, die in den Hotels
adrette junge Mädchen mit weißen Häubchen ausüben.
Auch musste ich für den ausgefallenen Koch einspringen. Das Essen
kam tatsächlich pünktlich auf dem Tisch. Leider wurden meine
Kochkünste nicht entsprechend gewürdigt und ich musste einen
großen Teil wieder über Bord geben.
Vor Morro Jable gingen wir vor Anker, da der Hafen keinen Liegeplatz für
uns hatte. So kamen wir weiter in den Genuß der üblen Schaukelei.
Frühmorgens begehrte eine große Fähre Ausfahrt aus dem
Hafen und wir mussten schleunigst ankerauf gehen und segelten in Richtung
Lanzarote. Hier war auch keine Landemöglichkeit, aber wer wollte,
wurde mit einem kleinen Schlauchboot völlig durchnässt an Land
gesetzt. Nach einem 1,5-stündigen Fußmarsch erreichten wir
Playa Blanca. Hier wurde endlich richtig gespeist und anschließend
im Internetcafe E-mails gelesen.
Zurück an Bord ging es auf einen 137 Seemeilen langen Törn nach
Santa Cruz auf Teneriffa. Das dauerte 20 Stunden.
Im Bug des Schiffes gab es 12 Kojen, eine davon wurde mir zugeteilt. Dort
schlug der schlecht gehievte Anker an die Bordwand. Es hörte sich
an, als wenn man in einer Gesenkschmiede bei Blohm & Voss war. Ich
war wie gerädert, als ich von 2-4 Uhr Seewache gehen musste. Meine
wichtigste Tätigkeit war, die zahlreichen Bierflaschen wegzuräumen,
die von der Freiwache geleert worden waren.
In Teneriffa sah ich zum erstem Male wieder meine Frau, die sehr derangiert
war. (Die Frauen hatten mittschiffs eine separate Unterkunft.) Wir machten
eine Inselrundfahrt und fühlten uns wohl. Auch die 101 Seemeilen
nach La Palma machten uns nichts mehr aus, da der Wind von Steuerbord
achtern kam und wir schnelle Fahrt machten. Santa Cruz auf La Palma ist
eine Hafenstadt mit schönen alten Häusern. Hier wurden wir vom
Club Nautico in einem alten Palast eingeladen und mit Rotwein und Zigarren
sowie kleinen Snacks versorgt. Wir revanchierten uns mit lieblichen Seemannsgesängen.
Die Spannbreite ging von La Paloma bis Madagaska, wo die Pest an Bord
war. Die Spanier waren peinlich berührt, so dass wir den Club Nautico
verließen und unser Gelage in einem Straßencafe fortsetzten.
Wir segelten bei gutem Wind weiter in Richtung Gomera. Hier wurde wieder
eine Inselrundfahrt organisiert. Die meisten blieben an Bord und schliefen
sich endlich mal aus.
Für die 34 Meilen zurück nach Los Christianos
an der Südküste von Teneriffa, mehr ein Ort für die Verbannung
von Seeräubern als ein Seebad, brauchten wir 13 Stunden. Abends ankerten
wir und beobachteten durch die Ferngläser das Treiben am Strand.
Ein sagenhaft kitschig-roter Sonnenuntergang und ein herrlicher Sternenhimmel,
mit deutlich zusehender Milchstraße, ließ die Hundewache zum
Erlebnis werden.
Der Törn nach Porto Mogan auf Gran Canaria war sehr unruhig und das
organisierte Erbrechen war wieder angesagt für einen großen
Teil der Mannschaft. Im Hafen von Porto Mogan, einem lieblichen Segelhafen,
wurde die überschäumende und lautstarke Überlebensfreude
durch die Hafenpolizei getrübt. Sie zeigte uns ein mehrsprachiges
Phamplet, dass wir bei Strafe von 500 Euro endlich Ruhe halten sollten.
Die Party wurde dann unter Deck in der Messe fortgesetzt.
Dramatisch große Wellenbrecher und Windstärken bis 9 machten
es uns am letzten Segeltag schwer, die nördliche Halbinsel bei Las
Palmas zu umrunden. Eine Stunde brauchten wir, bis der Schoner seinen
Liegeplatz erreichte und festvertäut am Pier lag. 14 Tage waren 37
Leutchen auf engstem Raume zusammengepfercht und alles ging gut, wenn
man von dem zerfetzten Großsegel einmal absieht.
|