Reisebericht von einer Busfahrt
durch den Norden Polens

Köslin, Danzig, Elbing, Allenstein, Masuren, Thorn, Stettin
vom 2. bis 8. Juni 2002
Von Gisela Lehnert

Sonntag, 2.6.
Von dem Busparkplatz an der Holsten-Therme sollte es eigentlich morgens um 6 Uhr losgehen. Alle Mitreisenden waren pünktlich zur Stelle, selbst unsere notorisch zu spätkommende Uschi hatte es rechtzeitig geschafft. Nur das Wichtigste - der Bus - fehlte noch. Also war warten angesagt, was bei dem schönen Wetter nicht so schwer fiel. Gegen 6:45 Uhr tauchte er endlich auf. Der Fahrer (Olaf) konnte unsere Aufregung überhaupt nicht verstehen. In seinem Plan stand Abfahrt 7 Uhr. Die Kommunikation zwischen Busunternehmer und Fahrer hat scheinbar nicht geklappt. Nun hieß es aber schnell Gepäck verstauen, einsteigen, und ab ging die Fahrt. Als kleine Entschädigung erhielten wir eine Tasse Kaffee und ein Fläschchen Schnaps und Co. gratis, die unser wichtigster Mann an Bord zu Lasten seines Chefs ausgab.

Zunächst fuhren wir von Kaltenkirchen über Bad Oldesloe nach Lübeck, und am Hauptbahnhof stieg noch ein Ehepaar zu. Nun waren wir vollzählig und die Reise konnte beginnen. Von Lübeck ging es weiter zur A 24 und dann Richtung Berlin zum Grenzübergang Pomellen. Zwischendurch wurden auch die erforderlichen Pausen eingelegt. Die Grenzformalitäten ver-liefen fast reibungslos. Bereits nach ca. einer halben Stunde Aufenthalt konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Weiter ging's südlich an Stettin vorbei bis zu dem kleinen Ort Swieszyno, der etwa 8 km südlich von Kaszalin (Köslin) liegt. An einem netten Freizeitpark mit See machten wir noch eine Pause. Danach erreichten wir nach kurzer Fahrzeit Strzekecino und im Hotel "Bernstein-Palast" waren die Zimmer für uns reserviert. Hier nahm uns auch unsere für diese Fahrt ständige Reiseleiterin Bogna in Empfang. Bogna wohnt in Warschau, ist ver-heiratet und ist gerade mit ihrem Studium fertig geworden. Sie war also nun unsere An-sprechpartnerin bei allen Sorgen und Nöten, besonders bei Sprachproblemen. In den Hotels wird zwar neben englisch auch deutsch gesprochen, aber es könnten trotzdem mal Schwierig-keiten auftreten. Sie sorgte auch gleich für eine schnelle Zimmerverteilung und unterrichtete uns über die Pläne für den nächsten Tag.

Nicht nur der Bernstein-, sondern auch der Weiße Palast (ebenfalls Hotel) war die ehemalige Residenz der pommerschen Familie von Kamecke, wo noch heute der außergewöhnliche Geist der "belle epoche" vom Ende des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Beide Schlös-ser wurden sorgfältig renoviert und prachtvoll bis ins kleinste Detail restauriert. Ein 10 Hek-tar großer Park, ein mit seiner Pflanzenwelt imponierender französischer Garten und ein gro-ßer See bilden die Umgebung beider Häuser. Natürlich haben wir nach dem Abendessen die Parkanlage eingehend in Augenschein genommen und einen herrlichen Sonnenuntergang genossen.

Hier im Bernstein-Hotel waren einige unserer Damen der Vitrine mit Bernstein Schmuckstü-cken erlegen und schlugen bereits am ersten Tag zu. Allerdings muß ich gestehen, daß wir solche besonders schönen Stücke später nicht wiedergesehen haben.

Montag, 3.6.
Nach einem schönen und ausreichenden Frühstück starteten wir um 8:30 Uhr. Wir durchfuh-ren die kaschubische Schweiz in Richtung Stups und Danzig. Übrigens leben in dieser Ge-gend noch 500.000 Deutsche. Sanfte Hügel, kristallklare Seen, blühende Rapsfelder und aus-gedehnte einsame Wälder prägen das Landschaftsbild. "Kaschubien" ist nach einem westsla-wischen Volksstamm benannt, der seit Jahrhunderten in dieser Gegend lebt und sich mehr schlecht als recht mit Fischerei und Ackerbau über Wasser hält. Bis heute haben die Kaschu-ben erfolgreich ihre eigene Sprache erhalten, die sich im Wortschatz und Grammatik erheb-lich vom Polnischen unterscheidet und auch einige deutsche Elemente aufgenommen hat. Die kaschubische Großmutter des "Blechtrommlers" Oskar hat ihre Situation treffend beschrie-ben: "So isses nu mal mit de Kaschuben… Die missen immer dablaiben und Koppchen hin-halten, damit de anderen drauftäppern können, weil unserains nich richtich polnisch is und nich richtich deitsch jenug, und wenn man Kaschub is, das raicht weder de Deitschen noch de Polacken. Die wollen es immer genau haben." Die Kaschuben durften sich im Laufe der Zeit auch wieder in Kulturvereinen organisieren, feiern Feste in ihren eigenen Trachten u.v.m. Ihre Zahl wird noch auf gut 200.000 geschätzt.

In Bytów (Bütow) im Zentrum der Westkaschubei besuchten wir die imposante Burg Zamek der deutschen Ordensritter. Die Burg beherbergt heute ein Museum. Aufwendige Stickereien bezeugen die Kunstfertigkeit der Kaschuben.

Chmielno (Ludwigsdorf) wird von drei Seen eingekreist. Hier waren wir Gäste in der berühmten Töpferei von Kaschubei - Manufaktur der Familie Necel. Schon seit dem frühen 19 Jh. stellt sie Krüge, Vasen, Teller und Becher her, die dann mit den typisch kaschubischen blauen Blumen verziert werden. Anschließend nahmen wir in einem netten Restaurant einen kleinen Mittagsimbiß ein, auch war noch Zeit für einen kurzen Spaziergang am See.

Um 15 Uhr ging's dann weiter nach Kartuzy (Karthaus), der Hauptstadt Kaschubiens eingebettet zwischen mehreren Seen und herrlichen Wäldern. ........

Fortsetzung:
Aufgrund seiner Größe von 475 KB haben wir diesen Reisebericht als bebilderte Word-Datei
ins Internet gestellt. 

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