|
Sonntag, 2.6.
Von dem Busparkplatz an der Holsten-Therme sollte es eigentlich morgens
um 6 Uhr losgehen. Alle Mitreisenden waren pünktlich zur Stelle,
selbst unsere notorisch zu spätkommende Uschi hatte es rechtzeitig
geschafft. Nur das Wichtigste - der Bus - fehlte noch. Also war warten
angesagt, was bei dem schönen Wetter nicht so schwer fiel. Gegen
6:45 Uhr tauchte er endlich auf. Der Fahrer (Olaf) konnte unsere Aufregung
überhaupt nicht verstehen. In seinem Plan stand Abfahrt 7 Uhr. Die
Kommunikation zwischen Busunternehmer und Fahrer hat scheinbar nicht geklappt.
Nun hieß es aber schnell Gepäck verstauen, einsteigen, und
ab ging die Fahrt. Als kleine Entschädigung erhielten wir eine Tasse
Kaffee und ein Fläschchen Schnaps und Co. gratis, die unser wichtigster
Mann an Bord zu Lasten seines Chefs ausgab.
Zunächst fuhren wir von Kaltenkirchen über Bad Oldesloe nach
Lübeck, und am Hauptbahnhof stieg noch ein Ehepaar zu. Nun waren
wir vollzählig und die Reise konnte beginnen. Von Lübeck ging
es weiter zur A 24 und dann Richtung Berlin zum Grenzübergang Pomellen.
Zwischendurch wurden auch die erforderlichen Pausen eingelegt. Die Grenzformalitäten
ver-liefen fast reibungslos. Bereits nach ca. einer halben Stunde Aufenthalt
konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Weiter ging's südlich an Stettin
vorbei bis zu dem kleinen Ort Swieszyno, der etwa 8 km südlich von
Kaszalin (Köslin) liegt. An einem netten Freizeitpark mit See machten
wir noch eine Pause. Danach erreichten wir nach kurzer Fahrzeit Strzekecino
und im Hotel "Bernstein-Palast" waren die Zimmer für uns
reserviert. Hier nahm uns auch unsere für diese Fahrt ständige
Reiseleiterin Bogna in Empfang. Bogna wohnt in Warschau, ist ver-heiratet
und ist gerade mit ihrem Studium fertig geworden. Sie war also nun unsere
An-sprechpartnerin bei allen Sorgen und Nöten, besonders bei Sprachproblemen.
In den Hotels wird zwar neben englisch auch deutsch gesprochen, aber es
könnten trotzdem mal Schwierig-keiten auftreten. Sie sorgte auch
gleich für eine schnelle Zimmerverteilung und unterrichtete uns über
die Pläne für den nächsten Tag.
Nicht
nur der Bernstein-, sondern auch der Weiße Palast (ebenfalls Hotel)
war die ehemalige Residenz der pommerschen Familie von Kamecke, wo noch
heute der außergewöhnliche Geist der "belle epoche"
vom Ende des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Beide Schlös-ser
wurden sorgfältig renoviert und prachtvoll bis ins kleinste Detail
restauriert. Ein 10 Hek-tar großer Park, ein mit seiner Pflanzenwelt
imponierender französischer Garten und ein gro-ßer See bilden
die Umgebung beider Häuser. Natürlich haben wir nach dem Abendessen
die Parkanlage eingehend in Augenschein genommen und einen herrlichen
Sonnenuntergang genossen.
Hier im Bernstein-Hotel waren einige unserer Damen der Vitrine mit Bernstein
Schmuckstü-cken erlegen und schlugen bereits am ersten Tag zu. Allerdings
muß ich gestehen, daß wir solche besonders schönen Stücke
später nicht wiedergesehen haben.
Montag, 3.6.
Nach einem schönen und ausreichenden Frühstück starteten
wir um 8:30 Uhr. Wir durchfuh-ren die kaschubische Schweiz in Richtung
Stups und Danzig. Übrigens leben in dieser Ge-gend noch 500.000 Deutsche.
Sanfte Hügel, kristallklare Seen, blühende Rapsfelder und aus-gedehnte
einsame Wälder prägen das Landschaftsbild. "Kaschubien"
ist nach einem westsla-wischen Volksstamm benannt, der seit Jahrhunderten
in dieser Gegend lebt und sich mehr schlecht als recht mit Fischerei und
Ackerbau über Wasser hält. Bis heute haben die Kaschu-ben erfolgreich
ihre eigene Sprache erhalten, die sich im Wortschatz und Grammatik erheb-lich
vom Polnischen unterscheidet und auch einige deutsche Elemente aufgenommen
hat. Die kaschubische Großmutter des "Blechtrommlers"
Oskar hat ihre Situation treffend beschrie-ben: "So isses nu mal
mit de Kaschuben
Die missen immer dablaiben und Koppchen hin-halten,
damit de anderen drauftäppern können, weil unserains nich richtich
polnisch is und nich richtich deitsch jenug, und wenn man Kaschub is,
das raicht weder de Deitschen noch de Polacken. Die wollen es immer genau
haben." Die Kaschuben durften sich im Laufe der Zeit auch wieder
in Kulturvereinen organisieren, feiern Feste in ihren eigenen Trachten
u.v.m. Ihre Zahl wird noch auf gut 200.000 geschätzt.
In Bytów (Bütow) im Zentrum der Westkaschubei besuchten wir
die imposante Burg Zamek der deutschen Ordensritter. Die Burg beherbergt
heute ein Museum. Aufwendige Stickereien bezeugen die Kunstfertigkeit
der Kaschuben.
Chmielno (Ludwigsdorf) wird von drei Seen eingekreist. Hier waren wir
Gäste in der berühmten Töpferei von Kaschubei - Manufaktur
der Familie Necel. Schon seit dem frühen 19 Jh. stellt sie Krüge,
Vasen, Teller und Becher her, die dann mit den typisch kaschubischen blauen
Blumen verziert werden. Anschließend nahmen wir in einem netten
Restaurant einen kleinen Mittagsimbiß ein, auch war noch Zeit für
einen kurzen Spaziergang am See.
Um 15 Uhr ging's dann weiter nach Kartuzy (Karthaus), der Hauptstadt
Kaschubiens eingebettet zwischen mehreren Seen und herrlichen Wäldern.
........
Fortsetzung:
Aufgrund seiner Größe von
475 KB haben wir diesen Reisebericht als bebilderte Word-Datei
ins Internet gestellt.
|