Post-Test von Mawlamyin März 2004

In März 2004 habe ich in der Hafenstadt Mawlamyine -jetzt heißt das Land ja Myanmar- die Post noch einmal getestet und das ging so:

Ich hatte einen Führer, den ich bat, mich dorthin zu bringen, wo ich Ansichtskarten von Mawlamyine kaufen könne. Nach unserer Tagesexkursion fuhr er mit mir zum Postamt. Dort gab es zwar keine Postkarten, aber Briefmarken. Ich kaufte 15 Marken a 50 Kyatt (Luftpost, Europa). 800 Kyatt entsprechen einem US-Dollar.
Wir fuhren dann weiter zum Museum, aber auch dort gab es keine
Ansichtskarten.

Im Hotel sagte man uns, Karten gäbe es, wenn überhaupt, nur in dem Papierwarenladen im Markt. Ich ging zunächst duschen und danach auf den Markt. Aber der Markt war ab 17 Uhr geschlossen.

So ging ich am nächsten Morgen wieder auf den Markt und fand auch den Papierwarenladen. Aber Ansichtskarten? Nein, die gab es nicht. Wer schickt schon von Mawlamyine Bilder von den Tempeln,
dem Hafen, der Stadt? Es ist halt kein Ort für Touristen. Das Mädchen, das zwischen Schulheften, Kugelschreibern und Papierstapeln hockte, konnte mir nicht helfen.
Da kam der Inhaber und hatte eine Idee. Er wies das Mädchen an, den Karton von der oberen Ablage herunter zu holen. Darin war viel Papier, unter anderem 10 Klappkarten "Merry Christmas".
Ich hatte Sinn für Humor und kaufte den gesamten Vorrat.
Aber nun brauchte ich ja auch Briefumschläge. Auch die bekam ich, obwohl sie nicht sehr vertrauenswürdig aussahen.
Am Abend schrieb ich in den jeweils 10 Minuten, in denen der Strom für Licht sorgte, meine Post. Beim Eintüten merkte ich, dass die Briefumschläge nicht gummiert waren. So bat ich am nächsten Morgen vor der Abreise die junge Dame an der Rezeption um so etwas wie Tesafilm. Ich erhielt eine Rolle und begann mit dem Zukleben.
Dabei merkte ich, dass es sich nicht um ein Klebeband handelte sondern so etwas wie "power strips" ohne power, eine Klebeschicht mit einer Schaumstoff-Decklage, die man abziehen
und dann zwei Objekte miteinander verkleben konnte. Ich bemühte mich, die Deckschicht auf dem Kleber drauf zu lassen, konnte aber nicht verhindern, dass einige Briefe doch ziemlich klebrig
wurden.
Vor der Weiterreise fuhren wir dann wieder zur Post.Sie war geöffnet, aber kein Schalter war besetzt. Nur eine Putzfrau putzte und ein alter Mann guckte ihr zu. Es war eben Sonnabend und da arbeitet die Post nicht.
Aber der Mann war hilfsbereit. Er schloss einen Schrank auf, holte einen Stempel heraus, stellte das Datum richtig ein, nahm die Briefe und stempelte sie vor meinen Augen ab.
Ich hatte sogar Glück, die Briefmarken galten nicht nur für Karten sondern auch für Briefe.
Alle Briefe sind richtig angekommen!
Alle, denen ich bei dieser Aktion begegnet war, waren hilfsbereit.

Aber dort kennt man ja auch noch keinen "Service-Point".

Text:Walter Kaspar-Sickermann