Besuch beim Klärwerk Köhlbrandhöft/Dradenau

Nikolaus Johann lud, wie schon viele Male vorher, zu einer interessanten Besichtigung ein. Diesmal sollte es die Fortsetzung zur Abwasserbehandlung in Hamburg sein und 17 interessierte Senioren trafen sich am Hafentor, um mit einer kleineren Barkasse zum Köhlbrandhöft zu schippern. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es schien sogar zeitweise die Sonne.
Prof. Sickert nahm uns in Empfang und verpasste jedem einen sehr kleidsamen Helm. Dann ging es per pedes bis ans andere Ende der Anlage, wo wir einen sehr interessanten Vortrag hörten.

Wir alle können uns bestimmt nicht vorstellen, was alles mit unseren Abwässern geschieht. Pro Tag fallen ca. 440ooo Kubikmeter Abwässer an, die zu fast 96% mitten im Hamburger Hafen Nähe der Köhlbrandbrücke gereinigt werden.

In der ersten Reinigungsstufe wird mechanisch bereits ein großerTeil ca. 20-30% des Schmutzes entfernt und zwar in der Rechenanlage.Die Abwässer durchlaufen die Rechenanlage und die Grobstoffe werden , im Jahr rund 3.500 t , durch Pressen entwässert und mit dem Klärschlamm thermisch verwertet.
Dann folgt der Sandfang, wo die Fließgechwindigkeit so gering ist, das Sand und schwere Stoffe absinken können. Das sind noch mal rund 3.000 t jährlich. Dieses Material wird gewaschen und als Füllsand im Tiefbau wieder verwendet.
Dann kommen die Abwässer in die Vorklärbecken. Auch hier ist die Fließgeschwindigkeit sehr gering, so dass Feststoffe sich absetzen können. Es entsteht Primärschlamm, der gesiebt in die Faulbehälter übergeben wird.
Nun kommt unser vorbehandeltes Abwasser in die Belebungsbecken, wo durch Mikroorganismen , viel Sauerstoff und komplizierte Vorgänge Kohlenstoff und Stickstoffverbindungen abgebaut werden
Dieses im Einzelnen zu erklären, ist vielleicht zu schwer verständlich aber Prof. Sickert hielt uns einen sehr umfassenden Vortrag, so dass für die Begehung der Anlagen eigentlich zu wenig Zeit blieb. Jedenfalls gelingt es, rund 9 5%der vorhandenen Schadstoffe zu entfernen. Das gereinigte Abwasser wird dann in den Köhlbrand und damit in die Elbe eingeleitet.
Was passiert nun mit dem Klärschlamm? Ca. 3.700 Kubikm. fallen pro Tag an. Dieser wird in die Faulbehälter gepumpt und bei 35° C ca. 24 Tage gelagert. Es bildet sich Faulgas, das in der VERA ( Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung) verstromt wird. In der KETA (Klärschlammentwässerungs- und Trocknungsanlage) wird nochmals eine Reduzierung des Volumens von über 90% erreicht.
Rund 250 Mitarbeiter sorgen dafür, dass diese komplizierten, riesigen Anlagen rund um die Uhr laufen. Auch in den Laboren arbeiten ca. 23 Mitarbeiter. Sie führen pro Jahr 90.000 chemische und biologische Analysen durch.
1958 wurde die Kläranlage am Köhlbrandhöft fertiggestellt und seitdem immer wieder erweitert. Man hat seit 1988 die Kläranlage Dradenau dazubekommen und ist nunmehr in der Bundesrepublik führend in der Abwasser-Bereinigung.
In letzter Sekunde erreichten wir unsere Barkasse, auf der wir diesen interessanten Nachmittag überdenken konnten. Unsere etwas strapazierten Nasenschleimhäute konnten sich erholen. Denn nicht umsonst heißt das Klärwerk Köhlbrandshöft " Ködelhöft" bei den Eingeweihten. Das Ziel der Hamburger Stadtentwässerung heißt "klar" und das haben sie erreicht.
Eure Ingrid von der Gülle

Text:I. Schulz Organisation: Nikolaus Johann Fotos: Kurt.Berger, H.Fosseck, H.Kolb